Mein erster Ultra Trail – Hochkönigman

von Hannes Wildmann
Anmerkung der Redaktion: Der Bericht wurde 1:1 übernommen.

[highlight]Hochkönigman Endurance Trail Maria Alm – 4.6.2016[/highlight]

Die interessanten und lesenswerte Berichte über Ultra-Trails werden meist von Halb- Profis oder sehr ambitionierten Hobbyläufern verfasst, die diesen Sport schon jahrelang betreiben und gefühlt alles unterordnen. Selten finde ich Berichte von Typen wie du oder ich die aufgrund ihres Familienstandes, Kindern, Beruf und anfallenden häuslichen oder wohnlichen Instandhaltungsarbeiten kaum Zeit fürs Training abzwacken können. Und wenn dann sind oft kaum mehr als ein paar Stunden pro Trainingswoche drin ohne alles andere schleifen zu lassen. So entstand trotzdem, aus einer Bierlaune heraus, die Idee nach dem letztjährigen Hochkönigman-Marathontrail heuer die Langstrecke mit fast 90km und 5.500HM in Angriff zu nehmen. Glücklich war, bis auf mir, mit dieser Entscheidung anfangs keiner. Für mich ist es ein Abenteuer, meine Frau hielt mich für wahnsinnig und fahrlässig der Familie gegenüber. „Und wie du dann wieder ausschaust nach dem Training, nur Haut und Knochen – nix mehr fesch ….“ „Die Leute fragen schon ob du krank bist weil du so schlecht ausschaust …“ Wie auch immer, ich bekam ihr ok, machte vorher einen kompletten ärztlichen Gesundheitscheck und versprach ihr, mich nicht zu übernehmen oder in Gefahr zu bringen. Erstens geh ich ja immer noch „nur“ laufen und nicht bergsteigen und wiederum andere kaufen sich mit 40+ ein Motorrad … was ist da gefährlicher? So bereitete ich mich dann mit einem angepassten Marathon-Trainingsplan ab Anfang März auf mein Vorhaben vor und trainierte pro Woche etwa 6 Stunden. Mehr war kaum möglich, nur in den letzten paar Wochen, wo die ganz langen Dauerläufe am Plan standen, wurden es ab und an 10.

Auf zum Start

Verletzungsfrei und gesund durch die Vorbereitungszeit gelangt mache ich mich am 3.6. um 22 Uhr gemeinsam mit Papa auf den Weg nach Maria Alm. Vor dem Hotel Niederreiter geparkt geht es erst mal auf zum Race-Briefing. Dadurch ich mich die ganze Woche sehr gut auf die Strecke und auch auf das Wetter vorbereitet hatte höre ich eigentlich nichts Neues mehr. Aber egal, es gehört natürlich dazu und die anderen Teilnehmer mit all ihren unterschiedlichen Outfits zu sehen ist ja auch irgendwie lässig. So genieße ich noch meinen letzten Kaffee bevor ich mich um etwa 23:30 als erster zur Rucksackkontrolle begebe. Stichprobenartig werden Reservebatterien und Regenjacke kontrolliert und dann setze ich mich auf das Siegertreppchen, das auf der nassen Bühne steht, um meinen Rucksack wieder ordentlich zu packen. Noch schnell das Iphone am 6000er Akkupack angeschlossen und alles in der wasserdichten Tasche verstaut. Dann starte ich noch 20 Minuten vor Start das Runtastic-Livetracking für die sich sorgende Familie und interessierte Freunde und Kollegen. Papa macht noch ein paar Fotos, wünscht mir alles Gute und das ich aufpassen soll und schon geht es für mich um Punkt Mitternacht mit „Highway to Hell“ in die Nacht – warum auch immer in der ersten Startreihe. Hat sich halt so ergeben, wurscht. Gleich mal meine Hochkönigman-Playlist gestartet versuche ich mein eigenes Tempo zu finden und meine Herzfrequzenz zu stabilisieren was mir sofort perfekt gelingt. So geht es den ersten Teil der Strecke bis zum Massingsattel im Laufschritt dahin. Mein Körpergefühl ist Endurance Trddail Erfahrungsberichthervorragend. Vom Massingsattel geht es bald ziemlich steil bergab. In der Kolonne rutschen wir mehr oder weniger im Gatsch und Sumpf über Wurzelwerk und Steine bergab. Und schon ist’s passiert und wir verlaufen uns um ein paar hundert Meter bis wir wadentief im Sumpf und Kuhdreck stehen. Sinnlos.

Cool bleiben…

Das ärgert mich kurz extrem da ich die Strecke vom letzten Jahr kenne und unaufmerksam einfach den Läufern vor mir „nachtigerte“. Aber egal, kurz durchschnaufen und schon geht es ziemlich schnell den Fußweg entlang des Bachbettes raus in Richtung Hinterthal. Bei der ersten Labe ein kurzer Blick auf die Uhr, nicht ganz 2 Stunden, 13 Kilometer, Durchschnittsgeschwindigkeit bis jetzt fast 7km/h, Puls unten. Ich höre jemanden reden: „Die zweite Frau ist hinter euch“ Sensationell, this is my day! Schnell die Softflask aufgefüllt, ein Gel reingedrückt, ein paar Stückchen Knabernossi gefuttert und 2 Stück Bananen mit auf den Weg genommen. Weiter geht‘s hinauf in Richtung Mussbachalm und dann weiter auf den anschließenden steilen Anstieg. Letztes Jahr bin ich hier in der Hitze schon gegangen, heuer immer noch im Laufschritt unterwegs. Das Selbstvertrauen steigt, damit blöderweise auch das Tempo. Ein Fehler, wollte ich ja gerade hier, im Hinblick auf die verbleibende Distanz, das Tempo bewusst rausnehmen. Aber was soll ich machen wenn ich heute so eine Maschin‘ bin … ? Weiter rüber in Richtung Pichlalm, 200 Meter ziemlich steil runter geht es bis zur Erichhütte dann wieder ziemlich weit bergauf. Immer wieder leuchten mir die Kühe mit den Terminator-Augen entgegen. Irgendwie gruselig. Schlafen Kühe im stehen? Ich weiß es nicht. Man hat viel Zeit zum Denken um diese Uhrzeit. Bei einem Brunntrog mal schnell wieder eine der beiden Softflask aufgefüllt und weiter im Konvoi Richtung Arthurhaus. Auf diesem Abschnitt hätte ich einfach vom Gas gehen sollen. Aber es lief einfach viel zu gut. So bin ich nach übermütigen 1,5 Stunden und etwa 10km um kurz vor 5 Uhr beim Arthurhaus. Viel zu schnell. Dort schnell Wasser aufgefüllt, Tee, Kuchen, Wurst, Bananen und Melonen getankt und weiter geht‘s auf den Hochkeil. Den kenn ich ja vom Mountainbiken wie aus meiner Westentasche. Ich weiß dass ich in maximal 30 Minuten am Kreuz bin. So ist es dann auch.

Oben eine ganz kurze Pause zum Schuhe binden eingelegt da ich das Gefühl habe schon ein wenig in den durchnässten Socken und Schuhen zu schwimmen. Aber ich hab nach 5,5 Stunden und etwa 35 Kilometer noch immer fast eine Durchschnittsgeschwindigkeit von 6,1km/h auf der Suunto. Und das Körpergefühl und die Reserven sind immer noch top. Was sich aber leider bald ändern sollte. Denn es geht nach dem Starkregen der letzten Tage den Rapoldsberg runter. Und dies extrem steil über viele Almwiesen und rutschige Waldwege. Die Wiesen sind so durchtränkt und sumpfig dass man im Schuh so richtig die Zehen anziehen muss damit es einem den Schuh im Gatsch nicht auszieht. Extrem kräfteraubend aber in Ordnung. Am Güterweg Rapoldsberg, nach etwa 6h15, beginnt dann mein linkes Knie ein wenig zu zwicken. Nicht schlimm vom Schmerz in diesem Augenblick, aber für mich nicht absehbar wie es weitergehen wird. Denn wenn der endgültige Schmerz des Traktus-Syndroms (Runners-Knee) durchkommt ist für mich der Lauf auf die Sekunde vorbei und ich kann mich abholen lassen. Ab jetzt ist es vorbei mit dem unbeschwertem Laufen. Zu sehr hört man dann in den Körper hinein und hängt mit den Gedanken am Knie. Gleichzeitig läuft man ja auch nicht mehr rund sondern verfällt unbewusst in einen einseitigen Schonstil. So erreiche ich, natürlich nicht mehr ganz so locker, die Labe Mühlbach um 6h45. 10 Minuten Pause, unbedingt. Alles auffüllen, ein wenig Smalltalk, auch mit einer Zuschauerin die ich sonst nur vom Gassi gehen mit dem Hund kenne. Sie hat heute kein Leckerli für mich. Auch ok. Weiter auf der linken Mühlbachseite entlang Richtung Schneeberg-Talstation passiere ich die Marathondistanz 42,2 Kilometer nach exakt 7 Stunden. Hier sollte ich eigentlich mit frischen Gels bestückt sein aber leider änderte Thomas die Dropbag-Stelle von Mühlbach auf Dienten. So heißt es noch einen Berg bzw. eine Bergkette haushalten. Und das nach 42km. Nicht jammern, hilft eh nichts, ist eh für alle gleich. Den Schneeberg kenn ich soweit nur vom Skitouren gehen, nicht aber vom Laufen. Kann nicht so schlimm werden, denke ich. Und schon geht es bergauf, aber sowas von steil. Die Kraft wird langsam weniger und ich nehme erstmals die Stecken aus der Rucksackhalterung. Zu diesem Zeitpunkt weiß ich noch nicht dass ich an diesem Tag so gut wie nicht mehr laufen werde.

Kleine Problemchen

Langsam machen sich nach den vielen Stunden magen- und verdauungstechnisch auch die Gels bemerkbar. Zielsicher steuere ich auf eine Tür bei der Karbach-Bergstation zu auf der in riesengroßen Lettern „WC“ prangt. Innerlich schon losgelassen ist diese versperrt. Ein furchtbares Gefühl. Darüber hängt ein Hochkönig-Werbeplakat. Ich ändere für mich den Slogan ab in „DAS nicht gacken können Gefühl“ und muss lachen. Etwa 1,5 Stunden benötige ich für die 5km und etwa 1000 Höhenmeter auf den Schneeberg. Oben angelangt ist es ziemlich windig, kalt und sehr nebelig. Alles hat so einen „Herr der Ringe“-Flair. Geht‘s hier nach Maria Alm oder Mordor? Das linke Knie zwickt immer mehr. Kondition und Kraft sind eigentlich noch vorhanden aber die Angst, anständig auf den Fuß „drauf zu fahren“, überwiegt. Weiter zum Schneebergkreuz geht es rüber Richtung Dachegg Bergstation. Da mir meine Frau schon telefonisch mitteilte das sie im Dachegg-Zachhofalm-Panorambild ständig Läufer sieht ruf ich sie an dass ich gleich vorbei laufe. So feiert mich meine ganze Familie daheim beim Frühstück am Fernseher. Das finde ich witzig, unterstützend und sehr aufbauend. Auf den bekannten Skipisten geht es runter zur Bürglalm-Bergstation (Dienten- Bergstation). Hier find ich es extrem unfair das 2 Teilnehmer den Weg verlassen und über die Skipisten den Weg direkt ins Tal abkürzen. Was soll das denn? Mit Stefan, der mich auf diesem Wegabschnitt begleitet beschließe ich dass wir in der Endwertung „imaginär“ 2 Plätz nach vorn rucken 😉 Die letzten paar Kilometer nach Dienten führen über Schotter- und Asphaltstraßen. Es freut mich sehr dass die Knieschmerzen mehr oder weniger gleich bleiben. So erreiche ich Dienten nach 10h25, 57km und einer Durchschnittsgeschwindigkeit von immer noch 5,6km/h. Ich bin zufrieden, weiß aber vom letztjährigen Marathontrail dass der letzte Abschnitt für mich extrem schwierig wird und dementsprechend langwierig werden kann. Ich soll Recht behalten, leider. Aber erstmal auf ein Bankerl gesetzt, Speisen und Getränke besorgt, Dropbag ausgepackt, Füße mit Hirschtalg verarztet, Sealskinz Socken angezogen und 20 Minuten dem Treiben der Labe zugesehen. Es ist unglaublich wie unterschiedlich sich die Teilnehmer des Mittelfeldes verhalten. Von extrem getrieben und gestresst bis fast schon tiefenentspannt ist alles vorhanden.

Geh Leck….

Auch die ersten Teilnehmer des Marathontrails kommen vorbei. Unter anderem mein Spezl mit dem ich den Marathon-Trail letztes Jahr gelaufen bin. So, kurz vor 11Uhr mach ich mich auf in Richtung Klingspitz. Es wird heiß, richtig dampfig. Ekelhaft dampfig sogar. Der Himmel ist tiefblau, die Sonne brennt ins Genick und auf das Haupt. Ein Griff zur Soft-Flask. Scheiße, ich habe in Dienten zwar die Labe in vollen Zügen genossen aber vergessen die Flaschen aufzufüllen. Ich bin so ein Volltrottel!! Vom letzten Jahr weiß ich daß kurze Zeit später ein Brunntrog steht. Dort gibt‘s zwar kein Elektrolytgetränk aber immerhin Trinkwasser. So gesehen hält sich der Schaden halbwegs in Grenzen. Es geht über Wiesen hinauf, vorbei an der Lettenalm, langsam in Richtung Klingspitz. Die Herzfrequenz bleibt zwar stets konstant zwischen 110 und 120 aber den Beinen geht langsam die Kraft aus. Immer wieder bleibe ich mal kurz stehen um zu verschnaufen. Eigentlich geht es mir gar nicht schlecht. Ich frag mich aber trotzdem wie ich ausschaue oder wirke da mich jeder vorbeilaufende Teilnehmer fragt ob ich Hilfe benötige. Brauche ich Gott sei Dank nicht aber ich bin schon wirklich anständig müde. Ich könnte auf die Sekunde einschlafen. Klingspitz – 67km, knapp über 13 Stunden. Geh leck, wie weit ist das Statzerhaus bitte weg. Kann ich mich gar nicht mehr erinnern. Naja, hilft eh nichts. Ich muss da rüber. Jetzt umdrehen wär ja auch irgendwie blöd. Ab jetzt wird es aber richtig mühsam. Stufen oder Geländekanten runter und mit dem linken Knie abfedern geht gar nicht mehr. Das rechte Bein muss zu 100% übernehmen. Teilnehmer des Marathon-Trails wandern bei mir vorbei die optisch zur Nordic Walking Flachland-Einsteiger-Fraktion gehören. Das gibt meiner Trailrunner-Ehre und meinem Stolz einen ordentlichen Hieb. Mah, jetzt zwickt auch noch die Lendenwirbelbandscheibe. Gehe bzw. laufe ich echt schon so verdreht dass ich die Wirbelsäule spüre oder ist einfach die Rumpfmuskulatur am Ende? Bergauf über die Schneefelder geht‘s dann wieder halbwegs. Um 14h38 erreiche ich nach 72km das Statzerhaus. Oben angekommen beginnt es auch noch zu regnen, aber das ist mir mittlerweile auch schon egal. Kurze Frage vom netten, jungen Arzt ob ich irgendwelche Beschwerden hätte. Ich zitiere meinen nächtlichen Gedanken: „Natürlich nicht, bin jo a Maschin'“ und muss lachen. Er nicht.

Pause am Bier-Bankerl

Ich setze mich für 10 Minuten auf das Bier-Bankerl, esse und trinke ein wenig und beobachtete einige Marathon-Teilnehmer die sich bereits feiern da sie es ja geschafft haben. „Wie ich im letzten Jahr“ dachte ich mir fast ein wenig schadenfroh in Hinblick auf die verbleibende Schwalbenwand. Die Würstel und den Käse kann ich mittlerweile nicht mehr sehen. Mir graust es schon richtig. Auch vor den Gels und den Protein-Riegel. Ich bekomme das Zeug einfach nicht mehr runter. Oben aufgebrochen ruf ich noch, wie vorab besprochen, meine Frau an um ihr mitzuteilen dass ich in etwa 3 Stunden im Ziel sein werde. Blöderweise ist die Dientner-Hochrechnung meines Vaters nicht ganz aufgegangen und so sitzt meine komplette Familie inkl. Hund schon im Ziel und fiebert meinem Einlauf entgegen. Genau jetzt! Na toll, diesen Stress kann ich jetzt gerade noch brauchen. Gleichzeitig habe ich die Playlist mit meinen absoluten Lieblings-Songs mittlerweile pausiert. Gefühlt wiederholte sich jedes Lied bereits einige 100 Mal. Ich kann es nicht mehr hören. Will auch jetzt nach einigen Tagen Abstand kein einziges Lied mehr davon hören. Noch einmal „Adventure of a Lifetime“ oder „Beautiful day“ und ich pfeffere mein Iphone 6 die Schwalbenwand runter. Was sogar egal wäre da ja meine Startnummer nicht draufsteht *lach* So, jetzt konzentrieren, nochmal durchschnaufen und weiter geht‘s in Richtung Schwalbenwand. Wie weit, anstrengend und zermürbend dieser Streckenabschnitt noch sein kann weiß ich. Aber ich komme trotzdem einigermaßen schnell rüber. Wundere mich selbst darüber. Ich muss ja so schnell wie möglich ins Ziel. Wahrscheinlich ist die Info, dass ich bereits erwartet werde, gar nicht so schlecht um nochmal ein wenig Gas zu geben und ein letztes Mal die Comfortzone (wenn man davon noch sprechen kann) zu verlassen. Daher versuche ich es immer mal wieder mit ein paar Laufschritten. Es ist aber schon sehr mühsam und tut schon richtig weh. Die Beine sind jetzt ausgelutscht. Leer, nichts mehr da. Nach 78km und 16h25 geht es endlich runter. Wo man letztes Jahr überall ohne Bedenken draufsteigen konnte muss man heuer jeden Schritt sehr bewusst setzen. Von Anfang an. Mittlerweile seit 17 Stunden volle Konzentration. Es ist einfach so abartig rutschig. Durch die Müdigkeit steigt jetzt die Unaufmerksamkeit mit vermehrt schlampigen Tritten. Jetzt ja nicht mehr umknicken oder verletzen.

Das Sieger geben niemals auf Gefühl

So, Thomas sagte beim Briefing dass 400 Meter unterhalb des Gipfels die letzte Labe ist. Wie weit sind bitte 400 Höhenmeter kruzifix nochmal. Ich mag jetzt nicht mehr. Nach 17 Stunden erreiche ich meine letzte Verpflegungsstation und ich bin einfach nur mehr fertig und müde. Wie sehr werde ich Tage später auf Sportograf sehen. Auf diesen Fotos hab ich einen Gesichtsausdruck als hätt ich keinen Trinkrucksack sondern eine Sprengstoffweste am Kreuz. Und abgeschlossen mit der Welt. Kurz setze ich mich mit einer Cola ins Gras bevor es auf einer ewig langen Forstrasse Richtung Maria Alm geht. Will laufen damit es schneller vorbei ist, geht aber nicht mehr. Noch kurz runter durch eine Wohnsiedlung geht es über die Hauptstraße in die Ortschaft Maria Alm hinein. Ich muss wieder laufen. Wie schaut das denn aus wenn ich ins Ziel spaziere? Das kommt ja überhaupt nicht in Frage. Vorbei an Cafe’s, alle applaudieren, einige schreien laut: „Respekt, Ultra, Wahnsinn“. Balsam für Gemüt und Seele. Noch ein paar kleine Kurven, rauf auf den Parkplatz. Als erstes sehe ich meine Tochter, sie läuft mit mir mit. Dann sehe ich den Rest der Familie. Runter ins Ziel nach siebzehn Stunden und sechsundfünfzig Minuten … stolz, müde, fertig und geistig ausgelaugt unter „ferner liefen“. Der äußerst sympathische Moderator mit den langen Haaren begrüßt mich mit Zeit und Namen im Ziel, ich schau zu ihm auf die Bühne rauf und sehe riesengroß das Hochkönigman-Plakat mit dem „Das Sieger geben niemals auf Gefühl“ Schriftzug und ich denk mir nur: „A geh, leck mich doch am Oa…“ Aber nett gemeint natürlich 😉 Ich hab mir über den Begriff „Leidenschaft“ noch nie Gedanken gemacht … bis jetzt …

 

Gruß an alle Hobbysportler mit wenig Zeit und ambitionierten Zielen, Hannes Wildmann

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