DIE VIER – Grenzen überschreiten

Zu einem ganz besonderen Projekt brechen in wenigen Tagen die zwei Trailrunner und Bergsportler Gabriel Egger und Moritz Mßer auf. Die beiden Freunde sind in der Szene keine Unbekannten.
Im Vorjahr bestiegen sie innerhalb von 24 Stunden 7-mal den Traunstein in Oberösterreich, auf 7 verschiedenen Anstiegswegen.

Heuer soll es noch ein wenig extremer sein. In der Pyhrn-Priel Region heißt es: Auf zu vier Gebirgs-überschreitungen. Das sind gesamt 90 Kilometer und 9.300 Höhenmeter – änatürlich wieder innerhalb von 24 Stunden.

[highlight]1. Kleiner Priel – Großer Priel[/highlight]
28,5 Kilometer, 2.990 Höhenmeter
Kletterschwierigkeiten bis III
Hinterstoder bis Hinterstoder

[highlight]2. Spering – Mßrwipfl[/highlight]
36 Kilometer, 3.410 Höhenmeter
Höhenwanderung, teils unmarkiert
Klaus nach Windischgarsten

[highlight]Kleiner Pyrhgas – Großer Pyhrgas[/highlight]
13 Kilometer, 1.500 Höhenmeter
Kletterschwierigkeiten bis II
Parkplatz Singerskogel bis Rohrauerhaus

[highlight]Karleck – Lahnerkogel[/highlight]
12,5 Kilometer, 1.400 Höhenmeter
Rohrauerhaus bis Pyhrnpass
Leichte Kletterei (I und B)

Warum, wieso und überhaupt? Wir haben Gabriel Egger gefragt wie man auf so eine Idee kommt, wie sich die beiden Sportler ergänzen und natürlich wie sie selbst die Chancen einschätzen, dieses ‚Monsterprojekt‘ zu bewältigen.

Gabriel, meine erste Frage ist: Warum? Wie seid ihr auf die Idee gekommen?

Wir wollen uns weiterentwickeln, Körperlich und mental. Das Projekt ist genau auf uns zugeschnitten, weil es klassischen Alpinismus mit Schnelligkeit verbindet. Es lässt sich nicht einordnen, genauso wie wir uns auch nicht einordnen lassen wollen.

Wir sind der Meinung, dass es im Leben immer darum geht, sich selbst neuen Herausforderungen zu stellen, weil der Alltagstrott niemals überhand gewinnen darf.

Diese vier überschreitungen sind allesamt anspruchsvolle und prominente Tagestouren für Bergsteiger. Da lag es nahe sie alle zu verbinden. Der Hauptaspekt ist die Neugier. – Schaffen wir das?a –

Inwieweit unterscheidet sich für euch dieses Projekt vom Traunstein-Auf-und-Ab im Vorjahr?
Es ist diesmal mit Sicherheit schwieriger. Die Kletterstellen gehen bis zum dritten Schwierigkeitsgrad, jede Gebirgskette unterscheidet sich gänzlich von der anderen. Der Kopf musste sich vergangenes Jahr auf den Traunstein einstellen- heuer hat er um einiges mehr zu tun. Außerdem konnten wir uns bei den 24 Stunden auf unserem Hausberg, auf dem wir jeden Stock und jeden Stein kennen, zwischendurch ausruhen, jetzt dauert die längste einkalkulierte Pause zwanzig Minuten. Mit knapp 92 Kilometern und 9.300 Höhenmetern ist auch die Strecke deutlich länger.

für alle Leser, die weder Priel, Sengsengebirge, Pyhrgas oder Bosruck kennen – wie ist der technische Anspruch? Kannst du uns generell die Strecke ein wenig beschreiben?
Die Prielüberschreitung ist die technisch anspruchsvollste Strecke. Auf einem teils recht ausgesetzten Grat geht es knapp 10 Kilometer vom Kleinen Priel auf den Großen Priel. Ingesamt sind das 30 Kilometer und 3.000 Höhenmeter- zum – Warm werdena – . Herausforderungen sind hier klar die Orientierung und die zahlreichen Kletterstellen. Den Abschluss bildet der Nordgrat auf den Großen Priel. Wohl mehr Alpinismus als Trail. Aber die Mischung macht – s. Denn im Sengsengebirge können wir es in der Nacht fast 38 Kilometer lang laufen lassen. Von Klaus geht es auf den Spering und am Höhenweg weiter zum Mßrwipfl, wo wir nach Windischgarsten absteigen. Auch hier sind es nocheinmal 3.410 Höhenmeter. Die Pyhrgasüberschreitung, die wir knapp nach Sonnenaufgang angehen, ist wieder mit teils anspruchsvollen Kletterstellen gewürzt.

Da heißt es auch wegen des brüchigen Gesteins hällisch aufpassen.

1.500 Höhenmeter, die wir laufend und steigend absolvieren werden. Zum Abschluss geht es 1.400 Höhenmeter über den Bosruck, wo uns auch ein Klettersteig erwartet. Zwischendurch wird uns ein guter Freund mit dem Auto zu den Ausgangspunkten chauffieren und uns aufpäppeln.

Wie seid ihr logistisch aufgestellt? Habt ihr alles selbst dabei oder gibt es fixe Stationen?
Das Meiste haben wir selbst dabei- im 12 Liter Rucksack. Wir haben natürlich Helfer, die uns mit bei – Checkpointsa – mit Energie und gutem Zuspruch versorgen. Außerdem gibt es zwischendurch einige Hütten, bei denen wir uns stärken können. Viel Zeit werden wir ohnehin nicht haben.

Moritz Mßer
Moritz Mßer

Die Genusspausen haben wir dann im Auto, das uns von überschreitung zu überschreitung bringt.

Wie ist der Schlechtwetter-Plan?
Da wir uns meist in sehr heiklem Gelände befinden, behalten wir uns vor, die Sache bei richtig schlechtem Wetter abzusagen. Um eine Woche mussten wir wegen des Schnees schon nach hinten verschieben. Wenn es ab und an regnet, ist es kein Problem, aber es kann nicht durchgehend richtig schlecht sein. Das geht sich rein von der Zeit dann nicht mehr aus, außerdem gibt es sicher intelligentere Pläne als solche Projekte ohne Rücksicht auf Verluste durchzuziehen. Wir haben ja immerhin noch viel vor in unserem Sportlerleben 😉 Aber wir sind ohnehin zuversichtlich. Das klappt schon.

Wie optimistisch seid ihr, dass ihr es schafft und wie habt ihr euch darauf vorbereitet?
Es wird richtig schwierig, das muss man ganz klar sagen. In 24 Stunden kann viel passieren, auch viel Unvorhergesehenes. Aber wir sind beide sehr optimistisch, weil uns Ehrgeiz und Leidenschaft vorantreiben. Wir müssen nicht, wir wollen. Das ist wichtig. Wir haben uns natürlich die Strecken angesehen, aber explizit vorbereiten mussten wir uns nicht, weil wir das gesamte Jahr voll im Training stehen. Rein Körperlich dürfte es kein Problem werden. Der Kopf wird entscheiden.

Bei einem 2er Team wie ihr es seid muss zwischenmenschlich alles passen, gibt es auch Situationen, in denen ihr nicht harmoniert? Mich würde auch interessieren, wer von euch beiden die treibende Kraft ist.

Gabriel Egger
Gabriel Egger


Ich kann nur sagen, dass ich froh bin, jemanden 24 Stunden lang an meiner Seite zu haben, auf den ich mich voll verlassen kann. Moritz hat trotz seines jungen Alters bereits einen reichen alpinistischen Erfahrungsschatz und reagiert in heiklen Situationen oft mit gewinnbringender Gelassenheit. Wir verstehen uns auch abseits des Berges sehr gut, was sich sportlich natürlich auswirkt.

Wir ergänzen uns oft. Wo er zu viel will, bremse ich. Wo ich bremse, treibt er an.

Es gibt sicher Momente, in denen wir unterschiedlicher Meinung sind, aber das ist wie mit allen Dingen im Leben mit Kompromissen sehr schnell klärbar. Bei Wettkämpfen ist die Harmonie natürlich dahin, da zieht jeder sein eigenes Ding durch. Aber auch hier ist es schon vorgekommen, dass wir uns auf einen gemeinsamen Zieleinlauf geeinigt haben. Ich glaube solche extremen Projekte können ohne der zwischenmenschlichen Ebene gar nicht funktionieren. Und seien wir uns ehrlich: Allein freut man sich eben nur halb so viel über gelungene Vorhaben. Wir haben kommende Woche beide dasselbe Ziel vor Augen, jetzt müssen wir es nur noch erreichen.

Wie kann man den Fortschritt verfolgen? Wird es Facebook Updates geben? können euch Leser begleiten?
Wir werden kommendes Wochenende von einem Filmteam begleitet, das unser Projekt in eine Dokumentation verwandeln wird. Das sind richtige Perfektionisten, da kann man sich schon auf die Aufnahmen freuen. natürlich werden wir auch auf unserer Facebook-Seite kurze Zwischeninformationen vermelden, auch unsere Helfer werden 24 Stunden lang zu Social-Media-Experten. Auf facebook.com/bergaufundbergab können alle virtuell mitlaufen. natürlich ist es auch möglich uns abschnittsweise zu begleiten. Man muss sich aber der Schwierigkeiten bewusst sein. Wir können auch keine Rücksicht auf langsamere Geher/Läufer/Kletterer nehmen, weil die Zeit einfach zu knapp bemessen ist.

 

Weitere Infos und Details:

www.bergaufundbergab.blogspot.co.at

dieviergrenzen4