Im Gespräch mit Laetitia Pibis

Steckbrief

Alter: 35

Immer gut gelaunt
Immer gut gelaunt

Wohnort: Linz, Oberösterreich
Hobbies: Reisen, gutes Essen, Outdoor-Sport und Berge!

Erfolge:

2012
Guadarun (1.)

2013
Streif Vertical Up (1.)
Madeira Ultra Trail (2.)
Zugspitz Ultratrail (2.)
Transalpine Run (5. Team)
Transmartinique (2.)

2014
Mallorca Ultra (4.)
Swissman (6.)
Engadin Swimrun (2.Team)
ätillä Swimrun (6. Team)

2015
Engadin Swimrun (3.)
Großglockner Ultratrail (2.)

Du hast einen franzäsischen Namen,kommst also vermutlich nicht aus österreich. Welche Wurzeln hast du und was hat dich nach Oberösterreich verschlagen?

Ich bin ursprünglich aus Südfrankreich, aber im Herzen zu 99% Mühlviertlerin! Aber haltet das bitte geheim, denn solche Aussagen könnten mir meine Staatsbürgerschaft kosten. In Linz bin ich aus beruflichen Gründen gelandet. für eine zweijährige Karenz hat mich meine Firma aus Frankreich nach österreich geschickt – das war vor zehn Jahren.

erzähle uns ein bisschen über dich und deine Vergangenheit, vor allem aus sportlicher Sicht.

Meine Kindheit und mein ganzes Leben sind sehr eng mit Sport verbunden. Ich bin ein Energiebündel, daher habe ich schon viele Sportarten probiert: Eislaufen, Aikido, Tennis, Gymnastik und sogar Rugby. Den Triathlon- Sport betreibe ich in den letzten Jahren intensiver. Meine größte Leidenschaft habe ich allerdings im Jahr 2011 gefunden, das Trailrunning.

Glaubt Ihr an – Liebe auf den ersten Blicka – ? Ich mittlerweile schon.

Es ist so ein tolles Gefühl, wenn ich über die Trails laufe, das ist für mich mit großem Suchtpotential verbunden. Die Asphalt-Läufe haben an Glanz verloren und langweilen mich. Aber das Ganze hat spontan angefangen, als ich mich für einen Etappenlauf auf Guadeloupe (in der Karibik) angemeldet habe. Mein erstes Testtraining war der Berglauf am Feuerkogel mit einer Distanz von zehn Kilometern und 1.000 Höhenmetern. Trotz Nebel und Kälte kam ich überglücklich im Ziel am Gipfel an und schwebe seit diesem Moment auf Wolke Sieben.

Wann bist du auf die Idee gekommen, Trailrennen im Ultra-Bereich zu probieren? Woher wusstest du, dass du das meistern kannst?

Die Frage habe ich mir ehrlich gesagt nie gestellt, ich habe es einfach ausprobiert. So erging es mir bisher in vielen Bereichen meines Lebens. Es ist erstaunlich, wie viel der Mensch leisten kann, wenn er sich selbst nicht bremst. Ein sehr guter Freund von mir sagt immer, dass es schlimmer aussieht, als es in Wirklichkeit ist.

Unterwegs mit Laufpartner Markus Kirschner
Unterwegs mit Laufpartner Markus Kirschner

Gibt es jemanden der dich aus der Trailrunning Szene ganz speziell motiviert und inspiriert hat, diesen sportlichen Werdegang einzuschlagen?

Das sind vor allem zwei Personen, die mich zum Laufen und Skifahren in den Bergen geführt und begleitet haben: Maria Wohlschlager und Markus Kirschner, und ich bin unendlich dankbar dafür. für mich sind die beiden wie Emelie Forsberg und Kilian Jornet. Beide haben große Leistungen in der Trail- Welt gebracht. Von mir ernten sie die meiste Bewunderung für Ihre Begeisterung für die Berge, die Natur und den Spaß, mit dieser zu spielen.

Bei der Premiere des Großglockner Ultratrails bist Du auf den zweiten Platz gelaufen und hast die 110 Kilometer und 7.000 Höhenmeter in sensationellen 22:29 Stunden geschafft. Hattest du damit gerechnet?

Das war die überraschung des Tages. Meine AV-Mitgliedskarte hatte ich nämlich als Erstes im Rucksack verpackt. Die Idee war, mit meinen Lauffreunden zu starten und bei einer der Hütten zu stoppen und zu schlafen. Ich kämpfte nämlich zu der Zeit mit einer Schienbeinentzündung. Auf meinem langen Weg habe ich den Hüttenwirten allerdings nur einen Gruß zugeworfen und musste nie einkehren. Es war einfach ein toller Lauf, auf dem ich von unglaublichen Menschen begleitet und von meiner Familie betreut wurde. Als ich ins Ziel kam, konnte ich sogar den strämenden Regen genießen.

Welche Emotionen durchlebst du bei derartigen Herausforderungen, wie geht es dir währenddes Laufens?

Von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt, ich glaube ich habe einfach alles durchlebt. Ich habe sehr viele lustige Gedanken währendeines solchen Laufs. Richtig gut geht es mir 95 Prozent der Zeit. für die restlichen 5 Prozent schalte ich mein Kopfkino ein und da läuft meistens großartiges Hollywood Kino.

Beispielsweise bin ich eine Gefangene auf der Flucht oder gerade auf Amazonen-Jagd

und die Untermalung mit manch einer Nachtstimmung und diversen Geräuschen bei Nacht machen es dann perfekt.
Auf den GGUT hast Du Dich mit einem effektiven Mittel vorbereitet – du bist mit zwei Freunden einfach die gesamte Strecke vorab Probe gelaufen.

Wie verkraftest du solche – TrainingsLäufea – ?

Verkraften? Ich lebe für solche Läufe, denn sie hinterlassen die schönsten Erinnerungen. Mithilfe von Soda-Zitrone, Käsespätzle und jeder Menge Kaiserschmarrn klappen solche TrainingsLäufe von alleine.

Nur von einer heißen Schokolade mit viel Milch würde ich, vor einem langen Abstieg, abraten.

Die Idee zu diesem Trainingslauf ist von Markus Kirschner alias Markus Jornet gekommen und es war bei weitem die beste Vorbereitung für den GGUT, denn wir standen mit sehr viel Respekt am Start. Wir wussten, was uns erwarten würde.

Auch auf den kürzeren Distanzen bist du immer ganz vorne mit dabei, wie beispielsweise auf den 21 Kilometern beim Hochkönigman 2015. Mit einer Zeit von 2:49 h hast du den dritten Platz erreicht. Sag ehrlich, wie viel trainierst Du?

Lustig, dass wir 21 Kilometer BergLäufe als Kurzdistanz bezeichnen. Ich trainiere nicht so viel, wie die meisten Menschen denken. Mein Alltagstraining ist eher untypisch. Was viele als planlos und ineffektiv bezeichnen würden, ist für mich einfach Training nach Lust und Laune. Ich fahre Täglich mit dem Fahrrad zur Arbeit, das sind immerhin 15 Kilometer pro Strecke. Außerdem bin ich fast jedes Wochenende sportlich unterwegs, das genieße ich sehr und zähle es nicht als Training. Das ist mein kleines Geheimnis, leidenschaftlich und mit viel Spaß an die Sache heran gehen.

Was kannst du anderen Frauen empfehlen? Denn nach wie vor sind Frauen noch immer stark in der Unterzahl, auf den Ultra-Distanzen ab 85 Kilometern und mehr. Bist du der Meinung, dass es im Prinzip jede Dame schaffen kann? Was ist dein ganz persönliches Geheimrezept?

Nach zwei Stunden Belastung ist ein guter Fettstoffwechsel ausschlaggebend, da der Körper nicht ewig mit den Kohlenhydrat- Speichern arbeiten kann. Den höchsten Körper-Fettanteil haben nun einmal Frauen. Also bin ich der Meinung, dass Frauen ihren Trumpf auch ausspielen sollten! Leider ist es oft so, dass Frauen zu viel Respekt vor einem Wettbewerb haben, währenddie Männer übermütig sind.

Mein Geheimrezept: nicht nachdenken, einfach machen worauf man Lust hat!

Wo werden wir Dich im Jahr 2016 überall sehen, was hast Du alles vor?

Nach dem erfolgreichen Finish wird gefeiert
Nach dem erfolgreichen Finish wird gefeiert

Transylvania (Mai), Lavaredo Ultratrail (Juni), Alpen X (August) und Transalpine Run (September) sind die fixen Termine. Dazwischen kommen natürlich viele andere TrailLäufe, Triathlons und Swimruns (Engadin). Eine Facebook-Seite von unserem Transalpine Run Team gibt es auch – zu finden unter die – TAR Labestellen-Plünderera – . Hier kann man unsere kompletten TrainingsabLäufe ansehen, uns Fragen zum Ultralauf-Training stellen oder Erfahrungen austauschen. Außerdem würden wir uns natürlich über jede Form von Unterstützung für unsere Projekte, sei es Beratung, Ausrüstung oder Sponsoring, sehr freuen!

Das Interview führte Sabrina Schulze im Jänner 2016 und ist im Print Magazin Trailrunning Szene 02/2016 erschienen.
Bilder: Sportograf

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