Ulli Striednig im Interview

[highlight]Steckbrief[/highlight]

ALTER: 54

WOHNORT
Klagenfurt (Kärnten)

FAMILIE
Tochter Nina (31)
Sohn Thomas (25)
Lebensgefährte Michael

BERUF
Buchhalterin

HOBBIES
Sport aller Art , Lesen, Handarbeiten, Lernen

ERFOLGE
[ul type=star-full]

  • 2005 – Weltmeisterin im 3-fach Ironman
  • 2008 – Qualifikation für den IM Hawaii in Klagenfurt (10 Std.47)
  • 2008 – Age-Groupe Weltmeisterin beim X-Terra (Crosstriathlon) Hawaii
  • 2013 – ästerr. Rekord im 24- Stundenlauf bei der WM in Steenbergen (NL)
  • 2013 – ästerr. Meisterin im 100km Lauf in 8:22 (meine Bestzeit
  • 2014 – 2.Platz bei den Frauen beim Transmuntana über 112km und 6000 Hm (Mallorca)

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Ulli, man kann dich in österreich als Ausdauer-Kapazunder bezeichnen. Begonnen hast du aber mit Kurzstrecken, Orientierungs- und CrossLäufen,… erzähle ein wenig von dir.
Da meine Eltern intensiv und sehr erfolgreich (meine Mutter war ästerr. Meisterin über 800m, mein Vater Teilnehmer an der 20km Weltmeisterschaft und Gegner von Emil Zatopek) Laufen betrieben haben, kam ich sehr früh zu dieser Sportart.
Durch das Training im Verein war dieses nicht so einseitig und ich habe auch andere Sparten der Leichtathletik kennengelernt. Im Laufen war ich eben auf den Kurzstrecken besonders erfolgreich. Im Gymnasium lernte ich durch unseren Turnprofessor den Orientierungslauf kennen und da dieser Sport wirklich von der ganzen Familie betrieben werden kann, wurden wir zu – bedingungslosen Anhängern des Orientierungslaufesa – . Das blieb ich auch, als meine Kinder geboren wurden und habe das auch an sie weitergegeben. So fuhren wir Sonntag für Sonntag (die ganze Familie) in österreich zu den diversen Wettkämpfen. Als meine Tochter Nina (heute 31 und ärztin) mit dem Studium anfing und mein Sohn Thomas (25, studiert Englisch und Geschichte) Gefallen am Fußballspiel fand, verlagerte sich mein Fokus auf die längeren Distanzen, zuerst in Form von Mannschafts-Etappenrennen (ehem. Raid Gauloises in Argentinien und Kirgistan), dann dem 3-fach Ironman, wo ich Weltmeisterin wurde und dann folgte mein erster 12 Stunden-Lauf.

 
Kannst du dich an deinen ersten Marathon erinnern?
An meinen ersten Marathon kann ich mich noch sehr gut erinnern, meine Eltern waren in Afrika auf Trekkingtour und mein Bruder und ich beschlossen ganz spontan, am Wörthersee-Marathon teilzunehmen. Ich war damals 22 Jahre, mein Bruder 19 und als – Vorbereitungsmenüa – gabüs GermKnödel. Trotz einiger ernährungsbedingter Stopps erreichten wir eine Zeit von 3:20 Std. – und das beim ersten Marathon.

 
Mittlerweile läufst du 100 Kilometer und mehr, bist bei Ultra-Trails am Start, warum eigentlich? Was ist deine Motivation? Provokant gesagt könntest du es dir nach all den Erfolgen einfach gemütlich machen und nur noch zum Spaß und Ausgleich laufen.
Als Streckenposten beim Doppel-Ironman in Moosburg lernte ich dann die Ultra-Familie kennen und war fasziniert von diesen besonderen Menschen. So ganz anders als die Szene der Triathleten und Leichtathletenä – so bescheiden und hilfsbereit zueinander – ich wollte unbedingt dazugehären. Mit dem Trailbereich hatte ich sofort Freundschaft geschlossen, waren wir doch als Kinder mit den Eltern jedes Wochenende in den Bergen unterwegs. Sicher wird mir oft die Frage gestellt, wie lange ich noch Wettkämpfe machen werde und für was ich mir das noch antue, aber ich finde, solange mir das Training so viel Spaß macht und ich bin ja froh, wenn ich nach einem Tag im Büro den Stress abarbeiten kann, warum sollte ich dann aufhären – und wenn ich schon so viel trainiere, warum sollte ich dann keine Wettkämpfe mehr machen? Ich messe mich nie an der Altersklasse, immer am Allgemeinen Standard, und erst wenn mir in österreich einige mehr – Mädelsa – um die Ohren laufen, werde ich vielleicht darüber nachdenken.

 
Es kommt relativ selten vor, dass jemand sowohl auf der Straße als auch im Trail-Bereich aktiv ist. Was sind für dich die Reize der beiden eigentlich völlig unterschiedlichen Disziplinen?
Da ich den Sport schon so lange ausübe, glaube ich, dass es wichtig ist, viel – Verschiedenesa – zu tun. für die Straße brauche ich Schnelligkeit und deshalb auch Intervalltraining, für den Trail Ausdauer und Trittsicherheit, da kann ich auch in meinen Bergen trainieren und ich bin der Meinung, dass es gerade dieses vielseitige Training ausmacht, dass ich nicht müde im Kopf werde.

 
Welches Rennen in deiner Laufkarriere ist dir besonders in Erinnerung geblieben? photo9
An viele meiner Läufe kann ich mich ja gar nicht mehr erinnern, aber was mir so als besonderes Highlight der letzten Zeit im Kopf geblieben ist, war der Transmuntana auf Mallorca, 112 km und 6000 HM – ich war das erste Mal auf der Insel und war total begeistert – von der Landschaft, von den Leuten, vom Rennen – und erfolgreich war ich auch noch.

 
Wie bereitest du dich darauf vor? Hast du einen Trainer? Trainierst du jeden Tag oder lässt du es auch mal sein?
Durch meinen Verein LAC Klagenfurt habe ich ein gutes Umfeld, was das Training betrifft – die langen Läufe mache ich gerne in der Gruppe, das Intervalltraining meist alleine. Vorigen August habe ich mit Willy Lilge begonnen, mich speziell auf Turin vorzubereiten und ich habe wirklich ein gutes Gefühl – aber ein 24 Stundenlauf hängt halt nicht nur vom Training ab. Es gibt wenige Tage, an denen ich wirklich nichts mache – zwar nicht immer trainieren – aber dann zumindest Schwimmen, Radfahren, Aerobic, Inlineskaten usw.

 
Thema Ernährung: Wie wichtig ist dir eine gesunde Küche, wie hältst du es mit Nahrungszusätzen und Ergänzungsmitteln?
Ich glaube schon, dass ich mich gesund ernähre, einmal abgesehen von diversen – Ausrutscherna – in Richtung Schokolade und Kuchen. Fleisch esse ich sehr wenig, aber nicht bewusst, sondern weil mir einfach die andere Seite besser schmeckt. Nahrungsergänzungsmittel habe ich nie genommen, seit Dezember trinke ich aber Täglich Phytolife und über die Ultranationalmannschaft werden wir jetzt mit Omnibiotic Power von Allergosan unterstützt, mit diesen beiden Produkten fühle ich mich total super !

 
photo7Ganz allgemein: Wie vereinbarst du deinen Job, die Familie und das Training?
Die Ausrede: ich habe keine Zeit für Sport, weil ich so viel arbeiten muss oder weil ich Kinder zu versorgen habe, gilt bei mir nicht. Ich habe 2 Kinder, habe immer gearbeitet und habe immer Sport betrieben. Heutzutage nennt man das Zeitmanagement – als die Kinder klein waren habe ich viel in der Früh um 5 trainiert, später habe ich dann eine Kindergruppe im Verein gegründet, wo meine eben inkludiert waren und ich dadurch ebenfalls die möglichkeit hatte, mein Training zu machen. Ich bin auch oft in die Firma gelaufen oder mit dem Rad gefahren oder am Abend mit dem Kinderwagen laufen gewesen. Ich glaube nicht, dass es mich befriedigt hätte, unendlich Zeit fürüs Trainieren zu haben, ich bin froh, dass ich immer die möglichkeit hatte, meinen Job als Buchhalterin auszuüben. Sicher genieße ich es heute, nach der Arbeit nicht mehr daran denken zu müssen, dass ich mit den Kindern Hausaufgaben machen muss oder unerledigte Hausarbeit. Und da mein Partner genauso sportbegeistert ist wie ich, verbringen wir sowieso die freie Zeit gemeinsam.

 
Gibt es ein Ziel, das du unbedingt noch erreichen möchtest oder läufst du einfach weiter, solange du Spaß daran hast?
Ziele hätte ich ja noch genug: für heuer ist mein großesä Ziel die Verbesserung des ästerr. Rekords im 24-Stundenlauf und mit dem Spartathlon habe ich auch noch eine Rechnung offen (Anmerkung der Redaktion: Ulli hat den Spartathlon 2015 nach diesem Interview erfolgreich gefinisht!). für nächstes Jahr wäre vielleicht einmal der UTMB an der Reihe und ich möchte noch einmal beim Ironman auf Hawaii starten – beim ersten Mal 2008 habe ich meiner Tochter die Reise für den Abschluss des Studiums geschenkt und das möchte ich meinem Sohn Thomas, der heuer mit dem Studium fertig wird, ebenfalls schenken. Und es gibt noch so viele Ziele, und solange ich Spaß habe, werde ich mir sicher noch einige erfüllen.

 
Was ist dein Ausgleich abseits des Sports? Gibt es noch andere Hobbies in deinem Leben, die dir Ausgleich verschaffen?photo6
Da ich eigentlich wenig Zeit neben Beruf und Sport und Familie habe, bleibt mir auch wenig Zeit für Ausgleich, ich lese massenhaft Bücher, meist wenn ich am Ergo sitze und ich bin begeisterte Strickerin – die beste Beruhigung vor einem Wettkampf. Ja und mein größtes Hobby, die Berge, das baue ich ja sowieso ins Training ein.

 
Du hast jede Menge Erfahrung, was empfiehlst du jungen Läufern, die sich erstmals auf die Langstrecke wagen?
So schön die Langstrecken sind, doch junge Läufer sollten sich trotzdem Zeit damit lassen, auf diese Distanzen zu wechseln. Wenn man, so wie ich, die möglichkeit schon von frühester Jugend an hat, Sport zu machen und vor allem vielseitig, hat man sicher einen enormen Vorteil. Leider bewegt sich die Jugend heutzutage viel zu wenig und deshalb meine ich, man sollte langsam in die – Längea – hineinwachsen.

 
Wo sehen wir dich in 10 Jahren?
Zehn Jahre voraus möchte ich in meinem Alter eigentlich nicht denken – ich hoffe nur, dass ich so lange wie möglich gesund bleibe und dadurch dir möglichkeit habe, meinen Sport noch viele Jahre auszuüben – denn eines bin ich mir sicher: die Freude daran, werde ich sicher niemals verlieren.

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