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Stoderzinken Trailrun Gröbming

von Sigrid Eder

Der Stoderzinken Speed Trail Run wurde am 28.04.2018 erstmalig vom Schiklub Gröbming durchgeführt.

Strecken

Den Trailläufern standen zwei verschiedene Strecken, der eigentliche Speedtrail mit einer Länge von 29 km und 1600 Höhenmetern und ein Sprinttrail mit 16 km und 600 Höhenmetern zur Auswahl.

Gemeindeduell


Um nicht nur den „Trailern“ ein Event zu schaffen, forderte der Gröbminger Bürgermeister treu nach dem Motto „Gröbming bewegt sich“ die Nachbargemeinde Mitterberg-St. Martin zum großen Gemeindeduell heraus. Bei diesem Duell zählte nicht die schnellste oder langsamste Zeit, sondern welche Gemeinde mehr ihrer Bürger zum Mitmachen motivieren konnte. Als Ziel wurde eine 9,5 km lange Strecke ausgerufen, die laufend, walkend oder wandernd innerhalb von 5 Stunden zu bewältigen war.

Streckenwahl

Da ich kein Bürger der Gemeinde Gröbming bin, stellte sich für mich auch nicht die Frage, ob Speed- oder Sprinttrail. Wenn, dann sollte es schon der große Bruder sein…

Renntag

Bereits bei der Startnummernabholung wurde mir klar, dass der Skiklub Gröbming zwar ein „Neuankömmling“ in Sachen Trailevent, aber sicher kein Frischling bei der Durchführung von Veranstaltungen (Horstig Gedenklauf – ältestes immer noch durchgeführtes Skirennen der Steiermark, Stoderzinken Challenge- Wettkampf für Skibergsteiger) ist.
Nachdem ich den Laufrucksack mit den vorgeschriebenen Utensilien gepackt, die Startnummer und den Chip montiert hatte, ging es auch schon los in Richtung Startbereich (immer mit dem Gedanken, hoffentlich alles dabei zu haben), der sich am Hauptplatz von Gröbming befand.
Beim Rennbriefing teilte uns der Veranstalter mit, dass sich die Strecke aufgrund der enormen Schneemengen leicht verkürzt und der Gipfel des Stoderzinkens samt Stoderkircherl aus Sicherheitsgründen nicht gestürmt werden kann. „Safety First“ sollte meiner Meinung nach immer an erster Stelle stehen, da werden uns Trailern 1 km und 100 Höhenmeter weniger sicher nicht „weh“ tun.

Startschuss

Nach einer kurzen Vorstellungsrunde der Top-Läufer rund um den Lokalmatador Klaus Gösweiner fiel pünktlich um 09:30 Uhr der Startschuss. Ich persönlich war voller Vorfreude, dass es jetzt nun endlich mit dem Start in die neue Trailsaison losging. Und so galoppierten 110 Gleichgesinnte (Speed- und Sprinttrail) los in Richtung Stoderzinken.

Tempo finden

Nach einem kurzen Asphaltstück hinaus aus Gröbming, das natürlich schon etwas bergauf ging, bot sich bereits ein sehr schöner Blick auf die Stadt. Angekommen am Gröbminger Höhenweg machten wir uns über Wanderwege und Forststraßen auf in Richtung Öfen-Schlucht. Nach einem kurzen Quercheck meiner Startnummernfarbe mit den Markierungen (Speedtrail – rote Startnummer = rote Markierung, Sprinttrail – grüne Startnummer = grüne Markierung) stellte ich fest, dass ich auf der richtigen Strecke unterwegs war.

Steil, steiler, Rotwandschlag

Nach dem Erreichen der Öfen-Schlucht mit ihren imposanten Felswänden hat sich das Feld bereits weit auseinandergezogen. Rund um mich im schätzungsweise mittleren Feld wurden die Grüppchen der gemeinsam Laufenden immer kleiner, bis ich plötzlich komplett alleine unterwegs war. Meter um Meter ging es voran, allerdings hat sich die Geschwindigkeit bereits drastisch reduziert, weil das Gelände immer steiler wurde.
Nachdem wir die Öfen-Schlucht über einen Forstweg hinter uns gelassen hatten, bogen wir unter Einweisung und Applaus der Bergrettung Gröbming auf einen schmalen Wanderweg ein, der sich wie eine Wand vor mir aufbaute (heißt eigentlich auch Rotwandschlag). Spätestens zu diesem Zeitpunkt dachte ich mir, wie schön verpackt meine Trailrunning-Stöcke im Auto liegen. Noch nicht fertig gedacht, überholte mich bereits der erste Läufer mit einem kraftvollen Stockeinsatz.
Schritt für Schritt ging es in einer wunderschönen Bergkulisse, teilweise durch Schneefelder – die durch den Veranstalter freigeschaufelt wurden, Höhenmeter um Höhenmeter dem höchsten Punkt entgegen. Immer wieder überkamen mich Wellen der Dankbarkeit, in welch wunderschönen Land wir leben und uns bewegen dürfen.
Vorbei an den Stoderalmen erreichte ich nach einer gefühlten Ewigkeit wieder eine Forststraße, die mich zwar auch weiter bergauf führte, aber endlich ließen das Gelände und die Kondition wieder einige Laufschritte zu.

Stärkung

Am höchsten Punkt beim Steinerhaus angekommen, tat sich trotz des fehlenden Gipfelsturms ein wunderschönes Bergpanorama auf. Nach einem kurzen Rundumblick, auffüllen der Getränkeflaschen und hineinstopfen einiger energiehaltiger Nahrung machte ich mich von der Labestation auf in Richtung Tal. Nach Blick auf die Uhr konnte ich erahnen, dass ich ungefähr die Hälfte der Strecke hinter mich gebracht hatte und noch ein paar Höhenmeter warten müssten.

Downhill

Über die asphaltierte Stoderzinken – Mautstraße konnte ich bergab schnell ein gutes Tempo finden und aufgrund der Ebenheit auch noch ein wenig die Aussicht genießen. Schon bogen wir auf den alten Stoderweg ab, der sich als sehr steiler, felsiger und steiniger Singletrail entpuppte. Trailherz, was willst du mehr?

Doch noch ein Gipfelsturm

Nach ein paar hundert Höhenmeter im Downhill-Flow machten sich im Anstieg zum Gipfel des Freiensteins wieder die Gedanken meiner im Auto liegenden Stöcke breit. Spätestens nach Erreichen der ersten leicht ausgesetzten Passage, bei der ich meine Hände für das Ergreifen des Stahlseils brauchte, waren diese aber wieder verflogen.
Über das Gipfelkreuz des Freiensteins ging es in dieser Tonart weiter. Es wechselte zwischen herrlichen Bergabtrails, Bergaufstücken und „kraxelnden“ Passagen immer wieder hin und her. Apropos kraxeln: Bei leicht felsigen Passagen (die alle durch Stahlseile gut gesichert waren) schauten uns Bergretter genau auf die Finger (wahrscheinlich auch auf die Füße) und feuerten uns tatkräftig an.

Endspurt

Nach Überquerung des Freiensteins mobilisierte ich meine Kräfte für den zweiten Teil des Downhills in Richtung Gröbming. Über wunderschöne Waldwege, Wiesen und Forstwege verging die Zeit wie im Flug. Nach Erreichen einer Lichtung konnte ich bereits den Kirchturm von Gröbming erkennen und wenig später auch schon den Sprecher aus dem Zielbereich hören.
Von nun an wusste ich, es geht dem Ziel entgegen, daher ließ ich es über die letzte Bergabpassage ordentlich laufen. Nach einem Blick auf die Kilometeranzahl der Uhr am Ortseingang von Gröbming musste ich feststellen, das kann es noch nicht gewesen sein……

Kulmleitn – muss das sein?

Ja da war noch etwas, man sollte halt doch im Vorfeld etwas genauer die Streckenführung studieren.
Im Zentrum von Gröbming wurden wir nicht nach links in das Ziel (das man schon fast hätte sehen können), sondern nach rechts nochmals hinauf auf die Kulmleitn geschickt. Nach einem tiefen Luftholen machte ich mich Zähne zusammenbeißend auf zur Besteigung des für mich in dem Moment höchsten Berges. In Wahrheit waren es in etwa 80 Höhenmeter, die es aber in sich hatten, wenn man sich vor fünf Minuten schon im Ziel gesehen hat.
Nichts desto trotz erklomm ich doch noch die Kulmleitn von Gröbming und lief mit einem zufriedenen und dankbaren Lächeln über die Ziellinie.

Fazit

In erster Linie muss man dem Veranstalter ein riesiges Kompliment aussprechen und zu einem sehr gut organisierten Event gratulieren. Die von mir gelaufene Speedtrail-Strecke wurde sehr gut markiert, teilweise mussten im Vorfeld Wanderwege freigeschaufelt (!) werden und man fühlte sich an technisch schwierigeren Passagen durch die Überwachung der Bergrettung sicher und gut aufgehoben.
Die Streckenführung des Stoderzinken-Speedtrails kann sich aufgrund der Vielseitigkeit echt sehen lassen, da ist für jeden etwas dabei – frei nach dem Motto: Trailherz, was willst du mehr!

Ergebnisse Speedtrail

Bei den Herren konnte Lukas Gärtner (LTV Köflach) den Speedtrail in einer Zeit von 2:18:53h für sich entscheiden. Auf Platz 2 folgte Sebastian Steindl (Millstatt) vor dem Lokalmatador Klaus Gösweiner.
Bei den Damen gewann Evelyne Lachner (LCR Dynafit Puchberg) in einer Zeit von 3:05:17h vor Karin Waltl (Kapfenberg) und Elena Waschl (Schladming).

Ergebnisse Sprinttrail

Den Sprinttrail entschied bei den Herren Tom Pichler (Bischofshofen) für sich und bei den Damen war Sandra Kohlbrat (Ramsau) die Schnellste.

 

Ergebnis Gemeindeduell

Im Gemeindeduell konnte die Gemeinde Mitterberg-St. Martin mehr Teilnehmer mobilisieren bzw. motivieren und gewann das Duell mit 234 zu 182 Teilnehmern.
Ich persönlich finde eine solche Idee toll, weil einerseits Bewegung verbindet und sich andererseits damit auch ein Bezug innerhalb der Veranstaltergemeinden zu einem solchen Laufevent herstellen lässt. Wäre ja auch nicht ausgeschlossen, dass der ein oder andere selbst auf den Trailgeschmack kommt.

Text: Stefan Mooswalder
Bilder: Stoderzinken Speed Trailrun

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