„Laufen ist für mich Meditation“ – Interview mit Fernanda Maciel

The North Faceä, der weltweit führende Hersteller von authentischer, innovativer
und technisch ausgereifter Outdoor-Bekleidung, -Ausrüstung und -Footwear, hat im Juni 2013 mit Trailrunning Spitzenläuferin Fernanda Maciel gesprochen.ä Fernanda Maciel 018

Die quirlige 33-Jährige war keineswegs von Anfang an auf – Abwegena – unterwegs. 2008 läuft die 33jährige Brasilianerin ihren ersten Ultra Trail Marathon – und ist
vom Extremlauf-Fieber gepackt. – Ich fühle mich wie ein kleines Kind, wenn ich laufe, weil ich ein Gefühl
von Reinheit und Freiheit habe. Mein Geist und mein Gewissen sind frei.a – Im Interview spricht die The
North Faceä Athletin über ihre Motivation, solch extreme Distanzen zurück zu legen, Inspiration und weise
Worte die ihr Leben begleiten.

Wie bist du dahin gekommen, wo du heute sportlich stehst?
Mit acht Jahren fing ich an, zu reisen und Wettbewerbe in rhythmischer Sportgymnastik zu bestreiten. Mit
15 folgte ich meinen familiären Wurzeln und begann, Capoeira zu betreiben (mein Vater war Capoeira
Meister!) und in Folge dessen JIU-JITSU (mein Großvater war ein guter Kämpfer!). Mit 19 studierte ich
währendmeines Jura-Studiums eine Menge Gesetze und hatte keine Zeit fürs Training. Irgendwann fing ich
an, mich fürs Laufen zu begeistern und startete mit Rennen auf der Straße über 10 Kilometer bis hin zum
Halbmarathon. Ich war 23, als ich anfing, AbenteuerLäufe über 600 Kilometer zu unternehmen. Mit 25
entdeckte ich in Neuseeland meine Leidenschaft für Trail Running und lief dort einen Halb- und einen
Marathon in den Bergen. Ende 2008 lud mich The North Faceä zu meinem ersten Ultra Trail ein, The
Endurance Challenge Championship, bei der man 50 Meilen in San Francisco laufen musste. Am Tag nach
dem Wettkampf konnte ich nicht mehr gehen, aber es hat wahnsinnig Spaß gemacht. Seit diesem Tag hat
mich das Ultra Trail Fieber gepackt.

Was motiviert dich, immer weiter zu laufen?
Meine Leidenschaft für die Natur. Wenn ich laufe, kann ich meinen Gedanken freien Lauf lassen und
manchmal gerate ich sogar in eine meditative Stimmung. Wenn ich in der Natur trainiere, bin ich im
Gleichgewicht – sowohl geistig, Körperlich als auch stimmungsmäßig.

Was glaubst du, unterscheidet dich von anderen?Fernanda Maciel 052
Mein Tattoo. Ich habe noch nie jemanden mit demselben gesehen (lacht). Ein Scherz. Ich unterscheide mich
von anderen, weil ich radikalen Sport liebe. Ich habe meinen Job als Juristin aufgegeben, um zu laufen und
in der Natur zu arbeiten. Ich liebe es, im Stillen zu sein, ich schaue seit 2006 kein Fernsehen, ich lebe in
einem kleinen Dorf mit vielen Bergen rund herum, ich reise herum, immer auf der Suche nach großen
Herausforderungen auf hohen Bergen, und umgekehrt arbeite ich als Sporternährungs-Expertin und
Vortragende eine Menge mit meinem Computer… und ich kann immer noch oben auf dem Berg sein.
Vielleicht unterscheidet mich das von anderen. Aber, was ich wirklich glaube, was uns Ultra Läufer von
anderen unterscheidet, ist die Passion.

Welche Erfolge konntest du in der Vergangenheit verzeichnen und welche Herausforderungen warten auf dich?
Mein letzter Erfolg war ein persönliches Projekt in Camino de Santiago de Compostela (Frankreich/Spanien)
und ein Projekt in Favela da Rocinha (Rio de Janeiro/Brasil). Ersteres war ein Sport- und Hilfsprojekt bei
dem ich 900 Kilometer ohne Unterstützung lief und als Pilgerin in einer Hütte geschlafen habe, um Kindern
zu helfen, die Krebs haben. Das Projekt lief über zehn Tage. Das Projekt in Brasilien war ein Sportprojekt
bei dem ich den Frieden zeigen wollte, die schönen Trails und Aussichten die in den brasilianischen Favelas
existieren. Ich lief in den gefährlichsten Favela in Rio de Janeiro vom Fuß bis zum Gipfel der höchsten
Picks. Meine nächste Herausforderung werden einige wichtige Rennen sein: Sky Running European
Championship (Italien), Lavaredo Ultra Trail (Italien), Ultra Trail Du Mont Blanc (Frankreich), Sky
Running World Series (USA), Everest Trail Race (Nepal).

Was ist dein Geheimrezept? Bitte gib uns ein paar Worte der Inspiration.
– Passa-se bem, passa-se mal, tudo ä um passara – – ein Satz von Mestre Bimba. Mestre Bimba ist der
afrikanische schwarze Meister im Capoeira Kampf. Ich härte diesen Satz, als ich 15 war und mit Capoeira
anfing. Er sagte: – Gute Momente, schlechte Momente, alles wird vorübergehen.a – Dieser Satz hilft mir nicht
nur in meinem Leben viel, sondern auch bei Läufen. Meine Momente, wenn ich glücklich bin werden
vorüber gehen und meine Momente, wenn ich leide und Schmerzen habe, werden ebenso vorüber gehen. Ich
muss nur Glauben und Vertrauen haben und auf einen guten Moment warten.
Ich liebe auch folgenden Satz: – Die Distanz zwischen deinem Traum und der Wirklichkeit nennt sich
Disziplina – . Ich härte diese Weisheit einst und konnte sie nicht mehr vergessen. Sie ist heute ein wichtiger
Bestandteil meines Täglichen Lebens.

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Ein paar Worte zum Laufen…
Laufen ist für mich ein magischer Zustand. Wenn ich laufe, bin ich in Harmonie mit meinem Körper,
meinem Kopf, meinen Gefühlen und meinem Geist. Ich fühle mich wie ein kleines Kind, wenn ich laufe,
weil ich ein Gefühl von Reinheit und Freiheit habe. Mein Geist und mein Gewissen sind frei. Ich lerne von
meinen Gefühlen und mentalen Zuständen. Ich glaube, es ist ein Sport, der mich viel lehrt… und mein Leben
immer in positive Bahnen leitet.

Weitere Infos zu Fernanda Maciel:
Web: http://www.fernandamaciel.es/en/blog/

Das Interview + Bildmaterial wurde uns zur Verfügung gestellt von The North Faceä – Vielen Dank!