15. Transalpine Run: Von den Anfängen bis zum internationalen Kult-Event

Der Transalpine Run feiert Jubiläum. Zum 15. Mal fällt am 31. August in Oberstdorf der Startschuss zu einem der härtesten und zugleich spektakulärsten Trailrun-Rennen der Welt. In acht Tagen im Zweier-Team zu Fuß über die Alpen. Eine extreme physische wie psychische Herausforderung von 273,8 Kilometer und 16.150 Höhenmeter im Anstieg – für Profis und Amateure gleichermaßen. Über die Etappenorte Lech, St. Anton, Landeck, Samnaun, Scuol und Prad führt die Jubiläumsstrecke nach Sulden am Ortler, wo am Samstag, 7. September, das große Ziel erreicht wird. Neu im Jahr 2019: Der Bergsprint in Samnaun ist wieder im Programm. Das Starterfeld mit 300 Zweier-Teams aus 40 Nationen ist komplett ausgebucht, ein Beweis dafür, dass der TAR auch 14 Jahre nach seinem ersten Start nichts von seiner einzigartigen Anziehungskraft verloren hat. Wer sich einen kompletten Transalpine Run noch nicht zutraut, der nähert sich beim RUN2 über die beiden ersten Etappen dem großen Traum der Alpenüberquerung Schritt für Schritt.

Das weltgrößte Etappenrennen für Zweier-Teams über die Alpen ist jung wie eh und je. Vieles hat sich seit der Premiere im Jahr 2005 geändert. Geblieben ist der Abenteuer-Faktor, innerhalb von acht Tagen über die Alpen zu laufen. Vorbei an hochalpinen Landschaften, immer vor einem grandiosen Panorama, jeden Tag aufs Neue den Launen der Natur ausgesetzt. Doch was macht dieses Rennen eigentlich so faszinierend und das über all die Zeit? Holger Schulze und Jürgen Kurapkat geben einen Einblick in die Geheimnisse des „TAR“. Sie waren von Anfang an dabei. 108 Etappen hat Holger Schulze, der Rekordmann, gefinisht. Er kommt in den 14 Jahren TAR auf eine Laufstrecke von 3.700,43 Kilometer und 210.191 Höhenmeter. Der TAR, das beweisen diese Zahlen, hat längst Kult-Status erreicht.

Holger Schulze, seit 2005 immer dabei

Der Transalpine Run hat schon immer Maßstäbe gesetzt – und das in allen Bereichen. Das war schon im Jahr 2005 so, als sich 74 Teams in Oberstdorf aufmachten, um laufend die Alpen zu überqueren. Schon damals mit dabei der Münchner Holger Schulze als Nordic Walker. Schulze, eigentlich aus der Marathon-Szene kommend, suchte das große Abenteuer. Fand es und blieb dann als Trailrunner dabei. Der 52-Jährige hat in den vergangenen eineinhalb Jahrzehnten keinen einzigen TAR ausgelassen, alle Etappen beendet, alle Höhen und Tiefen miterlebt, wie er selbst sagt. An die Tiefen erinnert man sich naturgemäß weniger, dafür aber an die Höhen. Obwohl es ein paar Jährchen gedauert hat, bis sich der große Erfolg einstellte. Bei der Premiere im Jahr 2005 landete er zusammen mit Partner Lothar Schiller auf dem vorletzten Platz. „Damals wussten wir absolut nicht, was auf uns zukommt, wir sind gegangen und nicht gelaufen“, erzählt Schulze. Zwölf Jahre später bestritt er seine 100. Etappe. Und feierte im September 2017 in Prad am Stilfserjoch seinen bis dahin ersten Etappenerfolg. „Das war einfach unfassbar“, erinnert sich der Bayer. Schulze musste sich die ein oder andere Träne verdrücken, als ihn die große „TAR-Familie“ hochleben ließ und er vom Veranstalter-Ehepaar Uta und Heinrich Albrecht ein spezielles Leader-Shirt für seine 100. Etappe übergestreift bekam.

Natürlich habe sich seit der Premiere im Jahr 2005 was geändert beim Transalpine Run. Alles sei professioneller und größer geworden, doch geblieben sei das, was den TAR ausmache. Das Familiäre, das Freundschaftliche, so Schulze: „Der Transalpine Run ist für mich die schönste Woche im ganzen Jahr, hier kann ich komplett abschalten, kann so tolle Momente erleben und neue Freundschaften schließen.“ Schulze kommt vor dem Start in Oberstdorf auf 108 absolvierte Etappen. Und hat auch gleich einen Insider-Tipp für Anfänger parat. „Die Kraft – besonders am Anfang – einteilen, den Spaß nicht verlieren und eine Beziehung zum Partner aufbauen. Auch wenn es nicht dein Traumpartner ist, mit dem du unterwegs bist, versuche mit Problemen wie unterschiedliche Leistungsfähigkeit immer locker umzugehen“, so Schulze.

Jürgen Kurapkat – der Mitgründer des TAR

Zum ersten Mal startet Jürgen Kurapkat in diesem Jahr mit Holger Schulze als Partner. Über Jahre waren sie sportliche Kontrahenten, aber immer freundschaftlich verbunden. Und jetzt geht’s zum ersten Mal zusammen als Team auf den Weg von Oberstdorf nach Sulden. Ein echtes Novum, zumal es Jürgen Kurapkat war, der 2005 Holger Schulze zu einem Start beim TAR überredet hatte. Kurapkat war für die Öffentlichkeitsarbeit Footwear Division bei W.L. Gore, Schulze für die Finanzen in deren PR-Agentur verantwortlich.

Jürgen Kurapkat ist nicht nur von Anfang an dabei gewesen und hat zusammen mit Uta und Heinrich Albrecht den TAR quasi erfunden, er hat insgesamt auch etwa 100 Etappen gefinisht. Wahrscheinlich wären es sogar alle 108 gewesen, allerdings gab es zwei oder drei Jahre, in denen der Oberbayer den TAR aus beruflichen Gründen an Tag fünf beenden musste.

Der 52-Jährige hat in dieser Zeit viel erlebt, hat Veränderungen aktiv begleitet, hat gesehen, wie aus dem TAR ein international anerkannter Trailrun wurde. „Das Event ist einfach größer geworden – mehr Läufer, mehr Sponsoren, mehr Aktivitäten drumherum. Rein subjektiv ist auch das Niveau der Läufer*Innen enorm gestiegen – und sie werden (gefühlt) jünger – vielleicht aber auch nur weil ich mittlerweile Senior Master bin …“, so sein Fazit. Der aber auch 14 Jahre nach der Premiere noch immer von der einzigartigen Faszination des TAR schwärmt: „Der Kerncharakter des TAR und seine Faszination sind gleich geblieben. Es ist eine wohl einmalige Mischung aus Wettbewerb, Kollegialität und Freundschaft mit anderen Läufern. TAR-Familie mag abgedroschen klingen, aber in der Tat ist das Zusammengehörigkeitsgefühl einmalig. Dazu kommt eine bis heute einmalige Intensität, bedingt durch die Länge der Veranstaltung und durch das Rennen mit einem Teampartner. Diese eine Woche beim TAR im Jahr fühlt sich wie drei normale Wochen an.“

Ein dickes Lob hat Kurapkat besonders für die Streckencrews übrig. „Die Trails wurden eigentlich immer besser. Auch wenn manche Orte und Etappen auf dem Papier ähnlich waren, haben die Streckencrews immer wieder neue Trails aus dem Hut gezaubert.“ Dazu komme die super professionelle Organisation, von den Foodstops, über Markierungen, Streckenteam, Gepäcktransport, Briefings oder die mediale Begleitung mit Fotos und Videos & Bilder des Tages, so Kurapkat.

Heini Albrecht – ein Abenteuer in der Zivilisation

An die erste Austragung kann sich Veranstalter Heini Albrecht, Geschäftsführer der PLAN B event company, natürlich noch haargenau erinnern. Auch an die Motivation, solch ein Event auf die Füße zu stellen. „Für mich sind das drei besondere Faktoren, die die Faszination damals und heute ausmachen. Zum einen der Traum einer Alpenüberquerung zu Fuß, das möchten einfach ganz viele Leute irgendwann einmal machen. Zum anderen sicher auch der Anreiz, etwas eigentlich fast Unmögliches zu schaffen, zumindest für die Nicht-Profis unter den Teilnehmern, und das ist ja die überwiegende Zahl. Und dann vielleicht auch der Gedanke eines Abenteuers, aber inmitten der Zivilisation.“

Uta Albrecht – die Anziehung ist ungebrochen

Auch Uta Albrecht unterstreicht diesen Ansatz des Abenteuers: „Aufgrund der meist positiven Erzählungen der Teilnehmer über dieses Rennen wächst in vielen Ausdauersportlern der Gedanke, dieses Abenteuer einmal selber zu erleben. Manche trainieren über mehrere Jahre darauf hin und wenn man sich dann vorstellt, dass diese Läufer in dieser Zeit immer wieder an den TAR denken, während sie laufen, dann ist das schon irre.

Herausforderung an Mensch und Material: Die Zahlen

Der TAR ist nicht nur für die Teilnehmer eine extreme Herausforderung, sondern auch für die Menschen, fürs Material und für die Medical Crew. Sicherheit wurde vom ersten Tag an groß geschrieben. 185 Ärzte, Pfleger und Rettungssanitäter waren bislang im Einsatz, händigten dabei 6.886 Blasenpflaster und 6.550 Coolpacks aus, behandelten 241 Notfälle und 622 große Wunden. Die Notfallausrüstung, die über die Alpen getragen wurde, addiert sich auf 4,7 Tonnen. Sicherheit ist das oberste Gebot beim TAR.

Damit alles glatt geht und sich niemand verläuft, ist immer ein Markierungsteam unterwegs und hat dabei 1.210 Dosen Kreide-Spray verbraucht, 6.720 Streckenpfeile angebracht, 2.220 Kilometrierungsschilder aufgehängt und 7.450 Markierungsstangen in die Erde gerammt. Und am Ende wieder alles eingesammelt. Die Schlussläufer brachten insgesamt 8,6 Tonnen eingesammeltes Material zurück. Nicht zurück kamen dagegen 210 Schilder, die jetzt sicherlich bei dem ein oder anderen Fan in der Garage hängen.

Wer viel läuft, muss auch viel essen. Und für die richtige Versorgung sind die zahlreichen Verpflegungsteams zuständig. Was in 14 Jahren über die Tische ging, was kleingeschnitten und zubereitet wurde, sprengt alle Dimensionen. Ein kleiner Auszug aus der Speisekarte: Jeweils rund 11.000 Kilogramm Bananen, Orangen und Wassermelonen, dazu 1.200 Kilogramm Tomaten, 2.700 Kilogramm Gurken und 2.800 Kilogramm Äpfel. Brot, Käse, Salami und Studentenfutter kamen auf jeweils gut 900 Kilogramm. Pasta auf gigantische 3,22 Tonnen. Spitzenreiter waren aber Nahrungsergänzungsmittel. 114.600 Energy-Riegel und 117.600 Energy-Gels wurden verteilt. Unterm Strich steht damit ein Gesamtgewicht von 46,2 Tonnen an Lebensmitteln, die in 14 Jahren ausgegeben wurden. Dazu kommen insgesamt 146.480 Liter an Getränke, wobei Wasser mit 69.760 Liter am Beliebtesten war.

Pressemeldung

Bilder: Copyright Wisthaler, Frank, Wieser