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Transalpine Run Tag 5 – Bergsprint Klosters

von Sigrid Huber

Tag 5
8,3 km
880 Hm

Heute nur Bergsprint, sozusagen Ruhetag. Oh, wie wir uns gefreut haben, gestern nicht die Taschen packen zu müssen und heute ganz entspannt frühstücken gehen zu können. Da wird einem erst bewusst, wie lange so ein einzelner Tag eigentlich ist. Wir sind in der Sport Lodge Klosters einquartiert, das zufällig genau neben Start/Ziel ist – besser geht’s nicht. Ein zwangloses Quartier, einfach und nett, mit allem, was man so braucht.

Zum heutigen Tag: Das mit dem schlafen wird nicht besser, also ging es erstmal unter die Dusche. Bis zum Frühstück um 7 war immer noch eine Menge Zeit und so konnte ich den heute etwas verspannten Körper draußen ein bisschen durchlockern und die kühle Morgenluft genießen. Anschließend natürlich Kaffee und ein ausgiebiges Frühstück, heute mit großer Lust auf Obst und Eiweiß. Der Körper holt sich definitiv, was er braucht.

Danach: Immer noch eine Menge Zeit, denn unser Startschuss sollte um 11:15 erfolgen. Der Start für den kurzen Bergsprint erfolgte heute in umgekehrter Reihenfolge. Erst durften diejenigen starten, deren Partner bereits ausgefallen waren, dann von hinten nach vorne in der Ergebnisliste. Ein tolles Format und absolut fair, denn langsam ist nicht gleichbedeutend mit weniger anstrengend, ganz im Gegenteil. Wer die Strecke hier schafft und eher am Ende des Feldes unterwegs ist, hat im Gegensatz zu den Spitzenläufern viel weniger Zeit für Regeneration und alles weitere, das jeden Tag zu tun ist – essen, packen, Sachen waschen, die Strecke vom nächsten Tag ansehen und so weiter.

Bei Florian hat heute die Achillessehne ein wenig gezwickt und er hat ein längeres Aufwärmprogramm durchgeführt. Ich habe ein paar Runden auf dem Sportplatz gedreht, um wach zu werden, die restliche Zeit aber mit gemütlichem Quatschen mit anderen Teams verbracht. Die Sonne strahlt, es ist warm und sommerlich, die Stimmung ist gut – was will man mehr?

Dann werden wir auch schon aufgerufen und stellen uns in die Startbox. Heute ist der einzige Tag, an dem es egal ist, ob man als Team ins Ziel kommt oder nicht. Für die Wertung zählt die Zeit des langsameren Teampartners. Wir haben schon gestern vereinbart, dass heute jeder einfach frei drauf los läuft. So konnte Florian endlich einmal seine Bergläufer-Qualitäten ausspielen und ich wollte einfach sehen wie es so geht.
11:15 Uhr, Startschuss. Die ersten 200 Meter laufen wir noch gemeinsam, dann zieht Florian davon. Es geht nur kurz flach aus Klosters hinaus, dann steigt der Weg schon bald – erst einmal ca. 150 Höhenmeter auf einem welligen Profil, wunderbar zu laufen. Der Schweiß tropft von Stirn und Nasenspitze. Die Kilometer fliegen nur so und bald schon ist das ‚5 km to go‘ Schild erreicht. Sehr ungewöhnlich nach den vergangenen Tagen! Ein Highlight ist eine Hängebrücke, auf der es mir fast den Magen aushebt, weil sie schwingt wie ein Schiff in heftigem Wellengang. Nach 100 Metern bin ich aber sozusagen wieder auf Kurs und es kann weitergehen. Keine Spur von der gestrigen Müdigkeit.

Langsam wird der Weg steiler, ein paar Hundert Höhenmeter sind schon absolviert. Es macht richtig Spaß, die Stimmung an der Strecke ist genial. Immer wieder stehen Bekannte, Verwandte und Streckenposten, die Stimmung machen. Nach jeweils 100 Höhenmetern führe ich meine bekannten Selbstgespräche… „Du machst das super, ganz locker, schon wieder 100, sehr gut, ….“ Darauf trinke ich jedes Mal ein paar Schluck aus meiner Flask. Ja, das ist meine eigene Party hier hinauf! Schon bald kommen das 4 und 3 km to go Schild. Ich stelle mir vor, dass Florian hier schon vorbei gezogen ist und für mich sicher ein paar Energiepunkte hinterlassen hat, die mich wie die Münzen bei Super Mario ‚aufpowern‘.

2 km to go, 1 … es kommt heute kein Durchhänger. Auf einmal ruft schon jemand, dass es nur noch 300 Meter bis ins Ziel sind. Einmal um die Kurve biegen, Florian steht schon da und ruft mir zu, dann ab durch den Zielbogen! Was war das denn für eine super Etappe! Im Ziel ist jeder, den ich treffe, super happy, die Stimmung ist wunderbar. Es ist schon faszinierend, wie flott man auch nach ein paar sehr, sehr langen Tagen unterwegs sein kann.

Florian erreicht das Ziel nach 1:04:48 (Platz 49 von 373 Herren) und ich nach 1:16:21 (Platz 31 von 174 Frauen). So landen wir heute auf Platz 6 in den Mixed Teams, wenn man die beiden Zeiten zusammenzählt und das ist für uns als Team ein schönes Gefühl!

Anschließend genießen wir die gute Stimmung am Berg an der Madrisa Bahn, holen uns eine große Portion Reis mit Gemüse und dann geht es am Nachmittag wieder hinunter nach Klosters. Heute ist nur Regeneration angesagt (herumliegen, Blog schreiben, Video des Tages machen, Süßigkeiten essen, … ), denn an den beiden nächsten Tagen wird es wirklich spannend. Morgen laufen wir nach Scuol auf 46,8 Kilometern und 2.300 Höhenmetern (oder ein bisschen mehr). Der Startschuss fällt um 7:10 Uhr.

Sport Lodge Klosters – Perfekte Nächtigung
www.sport-lodge.ch

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