Trailläufer aus Leidenschaft:
Markus Kirschner

Alter: 32
Wohnort: St. Martin im Mühlkreis
Familie: Freundin Marina
Beruf: Angestellter
Hobbies: Laufen, Klettern, Skitourengehen, Schwimmen, Radfahren, Kochen, Garten
Erfolge: Marathon Bestzeit 2:46 h
1.Platz Bergmarathon Linz 52km/1600Hm in 3:59 h (Streckenrekord)
Zugspitz Ultratrail Gesamt 7. in 14h7min,
Madeira Ultratrail (115km/6800Hm) Gesamt 19. in 20:58 h
Transalpine Run 2013 mixed mit Laetitia Pibis
Platz 5 Hochkönigman Gesamt 5. in 15:55 h
Großglockner Ultratrail 31. in 22:30 h

Du bist ein klassischer Trailrunner, oder? Wie würdest Du Trailrunning mit Deinen eigenen Worten definieren?
Ich hab mir eigentlich noch nie Gedanken darüber gemacht. Aber vermutlich kann man mich als solchen bezeichnen. für mich ist es eine Lebenseinstellung. Mal ist es einfach nur entspannend, locker einen Waldweg zu laufen, um den Kopf frei zu bekommen und dann gibt es wieder Tage, wo man so richtig Lust auf ein Abenteuer hat. Ich gehäre zu den Leuten, die das Abenteuer suchen.

Trainingseinheiten mit bis zu 40 Kilometern und vielen Höhenmetern, gehären bei Dir fast zur Tagesordnung. Woher nimmst Du die Zeit und vor allem die Kraft?
Das Wort Training passt irgendwie nicht so wirklich zu mir. Aber natürlich kann ich auch nicht abstreiten, dass ich über das Jahr gesehen, sehr viel laufe und dafür viel Zeit investiere. Ich verlasse mich ausschließlich auf mein Gefühl. Bei mir gibt es keine Trainingspläne, nach denen ich mich richten muss. Ich bin sehr flexibel. Im Winter gibt es einige, stressige Wochen, wo das Skitourengehen, Laufen und sonstige Trainings zusammen fallen, da schreibe ich mir meistens eine Art Wochenplan, aber nur um den Tag bestmöglich auszunutzen. Ich werde oft gefragt, ob ich auch arbeiten würde. Ich arbeite genauso wie alle, aber mit dem Vorteil, dass ich etwas andere Zeiten habe. Durch die 12 Stunden Dienste, davon die Hälfte bei Nacht, bleibt mir etwas mehr Zeit übrig. Und die Kraft? Nicht jeder Tag ist gleich. Ich probiere natürlich sehr viel aus, wie ich mich verbessern kann. Der Nachtdienst ist eine große Herausforderung, aber da habe ich mir ein gutes System zurechtgelegt. Und ich erfahre sehr große Unterstützung durch meine Freundin Marina, für die ich sehr dankbar bin.

Wie hat das mit dem Laufen bei Dir begonnen?
Irgendwann kam der Punkt wo ich mich selbst fragte, wie wohl mein Leben in der Zukunft aussehen würde. Dazu muss ich vielleicht noch erwähnen, als ich beschlossen habe mein Leben von Grund auf zu verändern, lag mein Gewicht bei 108,5kg. Durch die Ernährungsumstellung und regelmäßigen Sport, verlor ich sehr schnell an Gewicht, in fünf bis sechs Monaten waren es ca. 40kg. Das lag aber auch daran, dass ich kaum etwas gegessen habe. Am Anfang war ich meistens mit dem Rad unterwegs, nach und nach, kam dann das Laufen dazu. Das Laufen war damals eher noch Mittel zum Zweck, um abzunehmen bzw. um schlank zu bleiben. Zur Leidenschaft ist es erst später geworden.
Dann kam der Tag X, 14 Monate nach meinem Entschluss mein Leben zu verändern, stand ich am Start des Linz Marathon, Zielzeit 2Std 46min.
Das waren meine ersten Gehversuche. Anfangs wussten nur meine engsten Freunde Bescheid, die Geschichte war mir etwas peinlich. Im Nachhinein bin ich stolz auf das Geleistete.
Markus-Kirschner_Profil

Du bist einer der wenigen gewesen, die schon vor dem Großglockner Ultratrail (110 km/6500 HM), die Strecke zu Trainingszwecken abgelaufen sind. Wie kommt man auf die Idee?
Oh, das war eine spontane Geschichte. Ich hatte drei freie Tage und musste nur überlegen, wer mich begleiten könnte. Joel, Laetitia und ich, sind dann einfach freitags um 10 Uhr in Kaprun in ein ungewisses Abenteuer aufgebrochen. Und das war es dann auch. Der letzte späte Wintereinbruch, der ab einer Höhe von ca. 2000 Meter nochmal sehr viel Schnee gebracht hatte, machte dieses Unternehmen nicht gerade leichter. Dafür wurde es auch nicht langweilig. Es war eine echt traumhafte Runde, die man so schnell nicht vergisst. Und ich wusste, dass der Ultratrail keine einfache Sache werden würde.
Den Großglockner-Ultratrail hast Du dann auf Platz 31 gefinished und bist nach 22,5Std. ins Ziel gekommen. über dieses Rennen wurde sehr viel diskutiert. Wie hast Du das wahrgenommen?
Der Großglockner Ultratrail wird mir durch seine technische Strecke, aber vor allem durch die landschaftliche schönheit, noch lange in Erinnerung bleiben. Nach der Besichtigungsrunde, war mir klar, dass hier ein ganz großes Rennen entstanden war. Endlich traute sich jemand, die Sache anzugehen und das wurde belohnt. Leider hatte das Wetter zum Ende des Wettkampfes nicht mehr mitgespielt – auf Grund schwerer Gewitter, kam es zum Rennabbruch, der von einigen wenigen heftig diskutiert wurde. Ich durfte schon viel miterleben, sicher auch schon einige grenzwertige Situationen. In diesem Fall, war das die einzig richtige Entscheidung.

Was war bisher Dein Lieblingsrennen an dem Du teilgenommen hast und warum? Bist Du ein Fan von technischen Trailrunning-Events?
Ich glaube, bei mir ist das immer eine Mischung aus dem landschaftlichen Reiz in Verbindung mit der technischen Schwierigkeit eines Laufes, was mir in Erinnerung bleibt. Und natürlich wie anstrengend der Lauf war. Das eine oder andere Mal, musste ich auch schon sehr kämpfen, um das Ziel zu sehen, dass vergisst man nicht so schnell. Zu den besten Events zählt für mich der Madeira Ultratrail und der Großglockner Ultratrail, das waren schon sehr einzigartige Läufe. Bei den EtappenLäufen hat ganz klar der Transalpine Run die Nase vorn – das ist so eine Art Wellness-Urlaub.

Sehr technische Rennen sucht man vor allem in österreich noch vergebens, woran könnte das liegen und was kann sich österreich vielleicht von unseren Nachbarländern abschauen?
Ja leider. Da ich von meinen Trainingsrunden weiß, dass österreich großes Potential für technische Rennen hätte, kann ich mir das auch nicht wirklich erklären. Ein Blick zu unseren Nachbarn zeigt mir, dass wir noch etwas Aufholbedarf haben. Aber auch in österreich, wäre der Anfang ja jetzt gemacht. Vielleicht kommen ja in nächster Zeit noch einige Veranstaltungen dazu, ich würde mir sehr darüber freuen.

Was ist gerade für Rennen mit vielen Höhenmetern Dein Vorbereitungsgeheimnis? Was können unsere Leser vielleicht von Dir lernen. Ist Training im flachen oder eben – nura – in den Bergen am besten?
Eine Vorbereitung für einen bestimmten Lauf, gibt es bei mir nicht. Ich laufe sehr konstant und gleichmäßig. Ich bin mir natürlich bewusst, dass das nicht die optimale Vorbereitung für Wettkämpfe ist, aber jeder muss sich selbst überlegen, was für einen wichtig ist. Bei einem Wettkampf geht es mir nicht so sehr um die Zeit oder Platzierung, sondern viel mehr um das Erlebte und die wunderschönen Eindrücke, die man bei längeren Läufen erlebt. Eine Zeitvorstellung, die man gerne erreichen würde, habe ich auch, aber meistens kommt es sowieso anders als man denkt. Ich denke, dass es eine vernünftige Mischung aus flach, hügelig und Laufen in den Bergen sein sollte. Ich muss aber gestehen, dass ich schon sehr lange nicht mehr im flachen Gelände gelaufen bin. Ich habe es mir schon des äfteren vorgenommen, aber an der Umsetzung scheitert es.

Bist Du eher der Einzelgänger oder lieber in der Gruppe unterwegs?
Meistens bin ich als Einzelgänger unterwegs, da ich eben eine andere Arbeitszeit als die meisten anderen habe. Aber wenn es sich vom Dienst her ausgeht, bin ich auch in Gruppen unterwegs. Wobei dann mehr der Spaß, die Einkehr auf einen Kaiserschmarrn und die lustigen Gespräche im Vordergrund stehen.

Wo werden wir Dich in diesem Jahr noch sehen und was steht auf Deiner Projektliste für 2016?
Läuferisch stehen heuer keine Bewerbe mehr auf dem Plan, außer es ergibt sich spontan noch etwas. Im Winter ist es meist üblich, dass ich bei dem ein oder anderen Skitourenlauf am Start bin, aber auch sehr kurzfristig. Heuer würde ich noch gerne den Karnischen Höhenweg, von Sillian nach Arnoldstein ablaufen. Darum hoffe ich auf einen schönen Herbst. Und für 2016 könnte ich mir den Madeira Ultratrail genauso wie die Transgrancanaria vorstellen. Aber auch der Lavaredo Ultratrail und der Großglockner Ultratrail stehen hoch im Kurs. Und eins der großen Etappenrennen wäre auch nicht schlecht.

Was sind Deine Beweggründe das zu tun? Was treibt Dich an, stundenlang in den Bergen zu sein?
für mich zählt die Bewegung und das Erlebte, das Fühlen bzw. seine Grenzen kennen zu lernen, die grandiosen Ausblicke, die endlose Weite, die Natur in jeder Jahreszeit zu sehen, das sich selbst spüren zu können, um die Ruhe zu genießen und einfach aus dem Alltag auszubrechen.
Es ist einfach ein schönes, befreiendes Gefühl nicht laufen gehen zu müssen, sondern einfach zu gehen, weil man Lust dazu hat.

Interview: Sabrina Schulze, September 2015