Eine Trail-Achterbahn der Gefühle: der 13. GORE TEX Transalpine Run

Von Salomon-Läuferin Kathi Schichtl

Alle Jahre wieder trifft sich ein international bunter Haufen von Trailrunnern beim GORE-TEX Transalpine-Run. Man kommt sich vor wie bei einem großen Familientreffen. Für mich war es die 8. Teilnahme und das 8. Team-Finish, was mich schon etwas stolz macht.

Hier ein kleiner Auszug von sieben Tagen voller Emotionen mit up and downs wie auf dem Trail… quasi eine Trail-Achterbahn der Gefühle.

Die erste Hürde ist der Weg zur Startnummernausgabe. Nachdem man die 500 m vom Auto mit gefühlten 1 Mio. Umarmungen und Begrüßungen erreicht hatte, folgte die zweite Hürde: wie bekomme ich meine ganze Ausrüstung, Klamotten, Schuhe etc. in die Tasche? Verzichten mag man auf nichts. Man hat eh das Gefühl zu wenig dabei zu haben, dabei stellt sich nach einer Woche heraus, dass man zu viel dabei hatte. Das änderte sich auch bei der 8. Teilnahme nicht.

Es folgt eine Woche voller Emotionen! Jeden Tag rennen wir 5-6 Stunden in den Bergen rum, von Etappenort zu Etappenort. Landschaftlich ist alles dabei: Von Asphalt, über Schlammfelder, Kuhmatsche, steile Wiesenhänge, metertiefe Pfützen, hochalpines Gelände, geile Singletrails…. Es kommt jeder auf seine Kosten und die Schuhe auch. Meine musste ich nach der Woche beerdigen. Der Gestank glich einem 3 Monate toten Wiesel.

Die Ausrüstung

Was nehme ich mit? Das Wetter eher regnerisch prognostiziert. Oberteile lang und kurz, Hosen lag und kurz, 2-3 Laufschuhe, trockene Schuhe für abends, Badeschlappen (mein Freund hat sogar Hausschuhe eingepackt. Erst hab ich es belächelt – später im Camp beneidet). Gels und Riegel, Recovery-Shake fürs gute Gewissen, Schlafsack, Isomatte, Luftpumpe. Warme Jacke für Abends. Oder lieber zwei? Ohja, Shirt und Hose für abends. Socken, Unterwäsche, Kopf- und Halstücher, Handtuch, Fön und Kosmetika……Ladekabel…Regenjacke/hose…Mütze und Handschuhe (die ich sogar zweimal brauchte) und Rescue-Set.

Ihr könnt euch vorstellen, dass ich bereits zwei Taschen hätte füllen können. Aber mit einem System aus beschrifteten Tüten und ordentlichen (Press)Zusammenlegen – no problemo. Laufrucksack ebenfalls bereits für die erste Etappe hergerichtet. Nochmal nen kurze Check der Pflichtausrüstung und los geht’s.

Einteilung ist alles

Wir wollten es langsam angehen, damit wir uns nicht verpulvern und auch am letzten Tag noch Reserven haben. Aber kaum viel der Startschuss, sprinteten alle wie die Irren los. Somit landete unser Plan in der Tonne und wir hechelten wie die Irren hinterher. Doofe Gruppendynamik. Es kam wie es kam… Mathias sein erster Einbruch, durch das Laktathusten-Gerenne und zu viel Asphalt. Aber nach Regen folgte Sonnenschein. Nicht nur am Himmel und somit erreichten wir als 6. Mixed-Team überglücklich den ersten Etappenort.

Die Etappen

Es wurden tägliche Distanzen vom 25 km bis 46 km mit 1.600 HM bis 2.900 HM bewältigt. Die Strecken waren sehr unterschiedlich. Für unserem Geschmack etwas zu viele Flachpassagen und Asphalt.

Landschaftlich gefielen mir die 2. Etappe mit dem sagenhaften Downhill im Schnee und die 5. Etappe mit der traumhaften Uniaschlucht sehr gut.

Die Königsetappe am 4. Tag von Landeck nach Samnaun sind wir bewusst etwas langsamer angegangen. Der zweite Aufstieg zum Hexensee und Ochsenscharte hatten es in sich. Es lag Schnee und es war kalt und die Höhe machte uns zu schaffen. Aber landschaftlich wunderschön. Die letzten km nach Samnaun verlangten nochmal alles ab. Die Beine waren müde, die Nerven lagen plank, es fielen ein paar böse Worte – aber im Ziel wurden wieder so viele Endorphine ausgeschüttet, so dass es sich das erlebte einfach nur geil anfühlte.

Die letzte Etappe war meine persönliche Königsetappe. Aufgrund des Wetterumschwunges wurde der Start vorverlegt. Beim zweiten Anstieg ging es auf sehr hochalpinem Gelände über das 2.900 m hohe Bärenjoch und Tabarettascharte. Bei der VP2 dachte ich ans Aufgeben. Ich war komplett nass und mir war kalt und der alpine Anstieg kam erst noch. Aber ich riss mich am Riemen und knief die Pobacken zusammen. Im Endeffekt war es halb so wild. Und fantastisch war der Weg „durch“ die Berglhütte, wo wir mit Kuchen und Tee nochmal überrascht wurden. Der Regen hörte auf und wir erhaschten sogar ein paar schöne Bergkulissen. Es war zwar sehr kalt, aber dafür folgte ein wunderschöner Downhill ins Tal und wir feierten unseren lang ersehnten Zieleinlauf.

1. Etappe: Fischen im Allgäu – Lech am Arlberg (42,7 km / 2.101 HM)
2. Etappe: Lech am Arlberg – St. Anton am Arlberg (24,2 km / 1.987 HM)
3. Etappe: St. Anton am Arlberg – Landeck (39,9 km / 2.019 HM)
4. Etappe: Landeck – Samnaun (46,5 km / 2.930 HM)
5. Etappe: Samnaun – Scuol (39,0 km / 2.227 HM)
6. Etappe: Scuol – Prad am Stilfserjoch (44,1 km / 1.692 HM)
7. Etappe: Prad am Stilfserjoch – Sulden am Ortler (31,0 km / 2.600 HM)

Die Verpflegung

Auf den VP’s wurden wir fantastisch verwöhnt. Die Helfer waren immer freundlich und hilfsbereit und machten auch ein paar Witze mit bzw. über uns. Von Lebkuchen-Spießen über Essiggurken, frischer Melone, Suppe, etc. war für jeden Geschmack das passende dabei. Ich musste Mathias immer regelrecht wegziehen, am liebsten hätte er campiert 😉

Im Ziel hat der jeweilige Etappenort das Zielbuffet bereitgestellt. Außerdem könnte man sich mit Süßigkeiten am PlanB-Stand vollstopfen und man würde immer mit kühlen alkoholfreien Bier versorgt.

Ein weiteres Highlight war der P.Jentschura-Stand: als offizieller Partner gab es zum Frühstück im Camp und im Ziel den warmen Frühstücksbrei und das herzhafte „Tischlein Deck dich“. Sehr lecker. Einmal angefangen kann man nicht mehr aufhören…

Abends gab es die Pasta-Partys für die hungrigen Läufer. Zwei Highlights waren die Buffets auf der Bergstation in Samnaun und Scoul. Ein kulinarisches Schlaraffenland und man hätte uns danach den Berg runterrollen können. Ansonsten gab es Nudeln, die uns irgendwann aus den Ohren kamen und wir auch mal die Dönerbude und Pizzeria stürmten.

Das CAMP

Die Stimmung im Camp ist zwar nett, weil man sich mit den anderen austauschen kann. Aber wirklich erholen kann man sich nicht. Ich wundere mich immer wieder, dass bereits 3 Stunden vor Startschuss der erste Wecker klingelt und sobald das Licht angeht, einige Läufer bereits in voller Kampfmontur startbereit dastehen. Schlafen die mit dem Zeug?

In Scoul habe ich gleich von vornherein auf den „Luftschutzbunker“ verzichten. Das Hostel erinnerte zwar an einen Horrorfilm, aber das Frühstücksbuffet sprengte alle Erwartungen und man war am frühen Morgen leicht überfordert mit dem meterlangen Buffet.

Die Teams:
7 Tage – 24 Stunden. Vom ersten Toilettengang bis zum letzten Schnarcher erlebt man alles zusammen und man lernt sich richtig kennen und wächst entweder noch enger zusammen oder schaut sich nach der Woche nicht mehr in die Augen. Auch bei uns vielen auf der 4. Etappe ein paar böse Schimpfwörter. Aber auch das gehört dazu. Hauptsache man kann im Ziel wieder drüber lachen… es bilden sich auch zwischen den Teams tolle Lauf-Freundschaften. Am dritten Tag wusste man schon, wen man die meiste Zeit auf dem Trail sieht und es wird zusammen geplaudert, gelästert, gelacht und geflucht. Ein bisschen Konkurrenzdenken ist zwar da, aber in 99% versucht man sich zu unterstützen und freut sich über die Unterhaltung. Das ist das besondere an dieser Veranstaltung #laufenverbindet.

Unsere Tipps

1. Hotel statt Camp
2. Weniger Klamotten reichen auch. Man kann ja mal was waschen und stinken tun nach ein paar Tagen eh alle.
3. Weniger Futter mitnehmen. Die VP’s sind ausreichend bestückt, da bleibt kein Wunsch offen.
4. Auf jeden Fall eine sehr gute Regenjacke einpacken
5. Einteilung ist alles… Aber man kann noch so viel planen und sich vornehmen. Sobald man mit dem wilden Haufen an Trailrunnern unterwegs ist, vergisst man alles und man lässt sich mitreißen….
6. Vergesst das Konkurrenzdenken. Genießt lieber die Gemeinschaft und das Flair und fahrt mit einem guten Gefühl nach Hause. Bei Einzelrennen kann man dann wieder Vollgas geben….
7. Sei nett, respektvoll und hilfsbereit zu deinem Partner… du brauchst ihn und er dich!

Unser Resümee

Wir sind zufrieden, verletzungsfrei, happy und immer noch ein Paar;-) außerdem stolz auf unseren 4. Platz. Danke an alle, die uns unterstützt haben. Vollgepumpt mit Lauf- und Bergendorphinen freuen wir uns bereits jetzt auf den TAR 2018. Mal schauen, ob wir unsere eigenen Tipps umsetzen…. oder die selben Anfängerfehler machen wie immer „lach“

www.transalpine-run.com

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